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admin 03.03.2011 18:26

Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Hi Leute,
heute ist "DieRedaktion.de" online gegangen, eine neue Vermarktungsplattform der Deutschen Post mit Unterstützung des Deutschen Journalisten-Verbandes und von Verlegern.
  • Was haltet Ihr davon?
  • Wer hat schon Erfahrungen gemacht?
Selbstdarstellung laut Pressemitteilung:
Zitat:

Die Redaktion.de – der neue Online-Marktplatz für Qualitätsjournalismus
  • B2B-Plattform für Journalisten, Verlage, Corporate Publishing-Dienstleister sowie Unternehmen und Verbände
  • Effizienter Ein- und Verkauf von hochwertigen journalistischen Inhalten
  • Deutscher Journalisten-Verband, Axel Springer AG und IDG Communications Media AG unterstützen DieRedaktion.de

Kosten für Journalisten:
  • Die Kosten für Freie Journalisten belaufen sich, wenn ich das richtig verstehe auf 75 EUR Jahresbeitrag plus Provision.
Provision /Kosten lt. AGB:
Zitat:

  • Provision beim Verkauf eines Artikels: 30 Prozent des Honorars
  • Provision bei Annahme eines Auftrags: 15 Prozent des Honorars
  • Jahresgebühr für eine Mitgliedschaft für Verkäufer bei DieRedaktion: 72 Euro

Hier ein paar Zitate aus der Pressemeldung:

Ziele:
Zitat:

DieRedaktion.de führt Journalisten, Verlage, Corporate Publishing-Dienstleister sowie Unternehmen und Verbände erstmals auf einer Plattform zusammen und bietet eine Reihe an neuen Geschäftschancen für den ebenso einfachen wie effizienten Ein- und Verkauf von hochwertigen journalistischen Inhalten.


Verlegermeinung:
Zitat:

York von Heimburg, Vorstand IDG Communications Media AG: „DieRedaktion.de sorgt für eine bessere Übersicht und eignet sich als gute Management-Plattform zur zentralen Organisation der freien Journalisten. Damit ist DieRedaktion.de eine echte Bereicherung des Angebotes.“


Meinung DJV:

Zitat:

„Wir sehen in DieRedaktion.de ein interessantes Geschäftsmodell, um gerade als freier Journalist neue Kontakte und damit neue Einnahmequellen zu erschließen“, erläutert Michael Konken, Bundesvorsitzender Deutscher Journalisten-Verbund (DJV). Mit rund 38.000 Mitgliedern ist der DJV die größte Journalistenorganisation Europas.

Reporterin 03.03.2011 20:17

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Alo die Plattform wird daran bestimmt verdienen.
Ich frage mich nur, wovon ein Freier noch 15 bzw 30 Prozent abdrücken soll.

Wenn man sich hier die Honorarlisten ansieht.
gehen wir mal von einem Fachbeitrag für 150,- / Seite aus = 2 Seiten = 300,- Euro.

15% = 45,- bzw. 30% = 90,- Euro.

Dann stellen wir uns mal janz dumm und glauben in unserer Blauäugigkeit, dass wir 10 Artikel pro Jahr generieren über die Plattform,
72,- Jahresbeitrag : 10 = 7,20

Das heißt ich bezahle für einen solchen Artikel bei 15% = 52,20 wenn ich darüber einen Auftrag erhalte bzw. bei 30% = 92,20 Euronen, wenn ich darüber einen Auftrag verkaufe......

Sind es weniger Artikel, dann wird er noch teurer:
72 : 9 = 8,-
72 : 8 = 9,-
72 : 7 = 10,28
72 : & = .......

Und eine Vermittlungsgarantie gibt es doch vermutlich auch nicht? D. h. ich setze im schlimmsten Fall die 72,- Euronen in den Sand. Und gibt es ein Mindesthonorar?

Oder ist das jetzt ein Logikfehler von mir? (Ich hab schon 15 Stunden auf dem Buckel)

Jeder verdient sich 'ne goldene Nase an uns. Wir machen die Arbeit und alle verkaufen sie teuer - nur wir kriegen nix ab.

Reporterin 03.03.2011 20:25

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Und wieso hat überhaupt die Post ihre Finger dadrin? :-(

admin 03.03.2011 21:10

Rechenbeispiel
 
Hi,

nur mal ein Rechenbeispiel was für DieReaktion.de rausspringen kann:

500 Journalisten x 72 EUR Mitgliedsbeitrag wären: 36.000 EURO pro Jahr
plus Provisionen, sagen wir mal konservativ es werden 50 Artikel a 100 EUR pro Monat vermittelt. Das wer ein Umsatz von 5.000 Europ pro Monat
Davon 30 % Provision = 1.500 EUR pro Monat * 12 Monate = 18.000 EUR pro Jahr

Also in unserem Beispiel bedeutet das:
36.000 Euro Mitgliedereinnahmen
18.000 EURO Provisionen

54.000 Euro Jahreserlös aus Mitgliedereinnahmen und Provisionen

Mag das jemand kommentieren? ;)

admin 03.03.2011 21:15

Es sollen Inhalte bewertet werden (?!)
 
Gerade gefunden:

Auszug aus den AGB (Hervorhebung von mir):
Zitat:

9.1 Die Plattform ermöglicht es registrierten Nutzern, sich nach Durchführung einer Transaktion gegenseitig zu bewerten (transaktionsbasierte oder nutzerbezogene Ratings). Zudem gibt es die Möglichkeit, dass ein Erwerber von ihm zuvor lizenzierte Inhalte bewertet (contentbezogenes Rating).
Quelle: http://www.dieredaktion.de/home/agb

Auszug aus den Datenschutzbestimmungen:
Zitat:

Nur dann, wenn Sie uns zuvor Ihre Einwilligung erteilt haben bzw. wenn Sie – soweit gesetzliche Regelungen dies vorsehen – keinen Widerspruch eingelegt haben, nutzen wir diese Daten auch für produktbezogene Umfragen und Marketingzwecke.
Quelle: http://www.dieredaktion.de/home/privacy

ramona 03.03.2011 22:26

AW: Neue Umfrage und Diskussion zur neuen Vermarktungsplattform "DieRedaktion"
 
Habe eben abgestimmt: skeptisch. In dem Zusammenhang interessiert mich, wie viele hier schon über die Themenbörse Content verkauft haben.

Freak 03.03.2011 23:30

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Das ist ein schlechter Scherz! Bin enttäuscht vom DJV. Und das frag ich mich auch:
Zitat:

Zitat von Reporterin (Beitrag 80438)
Und wieso hat überhaupt die Post ihre Finger dadrin? :-(


BEASTIEPENDENT 04.03.2011 00:35

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Naja, wir können dann ja mal anbieten, Briefeschreiber und die Post zusammenzubringen und dafür Provision zu kassieren…

Zeigt mir mal wieder, warum ich nicht zum DJV, sondern zu den anderen gegangen bin :-D

Schweinswal 04.03.2011 00:46

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Immerhin heißt es, wer sich bis zum 30. April anmeldet, muss die 72 Euro noch nicht berappen. Ausprobieren kann man es also ruhig mal.
Die Provision von 30 % finde ich auch ziemlich happig. Könnte sich dennoch lohnen, um neue Kontakte zu knüpfen und anschließend direkt mit der jeweiligen Redaktion zusammenzuarbeiten - ohne die Plattform, falls das denn möglich ist.
Im Grunde laufen so doch viele Geschäftsmodelle, Nachhilfeinstitute z.B., die mehr als 50 % Provision einstreichen, dafür aber auch immerhin etwas mehr tun, als eine Internetplattform zur Verfügung zu stellen und den Zahlungsverkehr abzuwickeln. Finde ich zwar auch zum Kotzen, aber so ist das nun mal: am meisten Geld verdient stets derjenige, der andere für sich arbeiten lässt.
Der DJV-Vositzende Konken hat als Vorteil des Systems u.a. genannt, dass nur hauptberufliche Journalisten zugelassen würde und dass es keine Dumpinghonorare gebe.

Hoogestraat 04.03.2011 01:35

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Einfach mal aufs Betriebswirtschaftliche gucken

Die Deutsche Post ist ebenso wie Springer und IDG ein Anbieter von Verlagsprodukten. Seine starke Verhandlungsposition gegenüber einem einzelnen Journalisten, einer Journalistengemeinschaft wird ein solches Unternehmen, und das gilt schon für viel kleinere Häuser, nur aufgeben, wenn es dadurch einen Vorteil erzielt.

Der könnte sich ergeben, wenn das angekündigte Portal die Markttransparenz so weit erhöht, dass wir Journalisten in vollständiger Konkurrenz stünden und zum immer günstigsten Preis anbieten müssten, sprich: wenn wir uns gegenseitig unterbieten würden.

Bei allen Beiträgen, die lang genug laufen, um in einem solchen Portal vermarktet werden zu können, sehe ich genau da eine Gefahr. Betroffen wären davon auch alle anderen Journalisten. Denn es hieße immer: Sei billiger, oder ich kaufe bei "DieRedaktion.de". Übrigens: Die Unterstützung solcher Bestrebungen wäre so ziemlich genau das Gegenteil von gewerkschaftlichem Handeln.

Reporterin 04.03.2011 04:59

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Aber niemand glaubt allen Ernstes, dass Springer sich da einbringt, um bessere Preise zu zahlen, oder?
Das läuft genau umgekehrt. Die Billigen werden dort abgegriffen und eventuell dauerbeauftragt. Was hier passiert ist mal wieder die Unterwanderung der sog. Tarifverträge, die Ver.die ausgehandelt hat und die sowieso niemand einhält. Aber es könnte ja sein, dass man einen Text noch billiger bekommt........

Andererseits; könnte man nicht über Journalismus.com versuchen, mit den Verlagen ins Gespräch zu kommen?

rbb-wue 04.03.2011 08:35

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Liebe Leute,

jetzt wartet doch erstmal ab und prügelt nicht schon wieder auf den DJV ein. Was bitte ist denn daran verkehrt, dass man Geschichten eventuell als Zweitverwertung über diese Plattform verkaufen kann? Und noch dazu ohne sich darum kümmern zu müssen und den Text via Mail diversen Redaktionen zu schicken?

Dem hier befürchteten Dumping ist auch ein Regel vorgeschoben durch klare Mindeststandards. Die werden bei vielen Angeboten auf Journalismus.com übrigens bei weitem nicht eingehalten.

Also: Probiert es doch einfach mal aus, das erste Jahr kostet ja eh nix. Zieht dann Bilanz und überlegt Euch, ob es sich gelohnt hat und ihr es weiterhin nutzen wollt.

Ich sehe es als gutes Angebot des DJV in Kooperation mit den anderen Partnern für freie Journalisten etwas zu tun. Denn leider gibt es im Zusammenhang mit den Mindesthonoraren ja kein Verbandsklagerecht.

Reporterin 04.03.2011 08:52

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Wenn der DJV etwas für Freie tun wollte, warum betreibt er - z. B. in Kooperation mit den anderen Journalistenverbänden - dann nicht so eine Plattform? Warum schmeißt er sich da einem der größten Verlage und damit einem der größten Preisdrücker an den Hals?

Ich darf noch mal daran erinnern?!

http://www.verdi.de/dju/aktuell/themen/springer-agbs

Hat der DJV jetzt eine neue Spitze die käuflich ist? Oder will er das als imaginären Schachzug zur Verbesserung der Positionierung von Freien verkaufen?

Und bitte, was soll die Post da drin?

uller 04.03.2011 21:34

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Erstaunlich: Vor drei oder vier Jahren habe ich verdi vorgeschlagen, eine VK-Plattform für Journalisten zu schaffen. Damals hieß es zu aufwändig, kein Interesse bei den Kollegen. Jetzt stellt die Post (?) in Zusammenarbeit mit Springer etwas ähnliches auf die Beine und mir bleibt ein schaler Geschmack. Nicht, dass ich es nicht begrüßen würde, hier und da ein paar Sachen zweitverwerten zu können, ich befürchte aber, es ist nur ein Springer-Vorstoß, um langfristig noch mehr Redaktionen ausdünnen und die Preise weiter drücken zu können. Offenbar schließt das Geschäftsmodell in den Geschäftsetagen die eigenen Inhaltelieferanten mit ein. Oder will man mir ernsthaft erzählen, dass die Post die satten Provisionen allein einstreicht? Kommt mir eher wie der Versuch vor, einen Nahezu-Zuschussverlag für Journalisten zu gründen und weniger eine ernsthafte Profi-Plattform. Einen Presseausweis als Eintrittskarte zu verlangen und das Eigenmantra Qualitätsjournalismus runterbeten, reicht mir da nicht, um Seriosität zu vermitteln.

Ansonsten kann ich mich nur meinem Vorredner anschließen: Wenn das Ganze so toll ist, warum ist der DJV dann nicht in der Lage, eine Plattform zu gründen, die dann ausschließlich den Kreativen etwas nützt?

Hessenreporter 05.03.2011 17:13

AW: Erfahrungen mit Vermarktungsplattform "DieRedaktion"? Eure Meinung?
 
Zitat:

Zitat von Reporterin (Beitrag 80438)
Und wieso hat überhaupt die Post ihre Finger dadrin? :-(

Simpel: Wer an der Vermarktung teilnehmen möchte, muss sich zuvor per "PostIdent"-Verfahren dafür anmelden.


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