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Malina 22.05.2007 00:58

Bezahlung Praktika
 
Hallo,

das Thread "Gehaltsfrage" brachte mich auf die Idee zu diesem Thread. Wie ist das bei Euch (gewesen), in wie weit wurden Eure Praktika bezahlt?

Liebe Grüße
Malina

Anialel 22.05.2007 07:44

AW: Bezahlung Praktika
 
Hallo!
Da ich ja nun die erste bin, die hier mitgemacht hat, möchte ich meine Aussage noch kommentieren. Ich hab "für lau" angeklickt, weil ich zunächst dachte, ich darf noch was anderes anklicken (ging aber nicht... ;-) ) - und dann, weil es mir bei zwei längeren Praktika vorgekommen ist, dass man ne Stunde Anfahrtsweg in Kauf nimmt, dann von 9 bis 18 in der Redaktion ROTIERT - und dann noch nicht einmal die Fahrtkosten erstattet kriegt... Das fand ich schon ziemlich frech. Das Praktikum war trotzdem toll, aber finanziell war das echt unzumutbar, weil man ja auch in dieser Zeit sonst nicht nebenher arbeiten kann.

Bei anderen Praktika hingegen habe ich bessere Erfahrungen gemacht. Bei einem wurde sogar AUSGEZEICHNET bezahlt. Aber das war eine Ausnahme. Allerdings eine sehr angenehme Ausnahme :)

Libelle 22.05.2007 08:29

AW: Bezahlung Praktika
 
Meine beiden Praktika habe ich während des Studiums bei kleinen Medienunternehmen gemacht, sechs und acht Wochen. Es gab keine Bezahlung, aber während des Studiums fand ich das vertretbar.

Ein Praktikum NACH dem Studium würde ich ohne Vergütung gar nicht erst annehmen. Ich hoffe, dass ich auch der möglichen Verzweiflung in der Bewerbungsphase standhalten kann. :lol:

jillette 22.05.2007 09:04

AW: Bezahlung Praktika
 
Hallo!

Ich habe bei bisher zwei Praktika eine wirklich sehr gute Vergütung bekommen... das lag daran, dass ich Zeilen- und Bildergeld bekommen habe. Und bei einer Dauer von vier bis beinahe acht Wochen kommt da natürlich schon einiges zusammen.
Bei zwei weiteren dagegen nur eine "Aufwandsentschädigung" von 150 Euro; das war zwar ärgerlich, aber ich habs dennoch gerne in Kauf genommen, weil die Praktika Spaß gemacht haben.
Grüße!

Sabbrina 22.05.2007 21:25

AW: Bezahlung Praktika
 
hallo, ich habe 2 Praktika gemacht, die ganz ohne Bezahlung waren...
ein drittes wurde bezahlt, aber mit einem Hungerlohn....

julia 23.05.2007 09:58

AW: Bezahlung Praktika
 
mein erstes wurde nicht bezahlt, das war aber auch eher Zufall, dass ich das gemacht hab und nicht im journalistischen Bereich, sondern beim Film

das zweite bei ner Tageszeitung sollte eigentlich nicht bezahlt werden, da es nur kurz war, aber am Schluss meinten sie, ich hätte so viel geschrieben und sie würden mir nun Zeilengeld zahlen. Zudem hab ich da auch danach noch ein paar Mal Texte geschrieben

nach dem Studium dann PR, Vergütung war okay, ein zweites ebenfalls bezahlt, wobei das eher kein Praktikum sondern Assistentenjob (wieder kein Journalismus, aber damals war's echt ne besch.. Zeit) war

Sisilinha 23.05.2007 11:06

AW: Bezahlung Praktika
 
Beim ZDF bekam ich die üblichen 0,77 Euro Essenszuschuss pro Tag.
dpa hat eine Aufwandsentschädigung von 125 Euro gezahlt und der WDR bei einer Einweisungshospitanz immerhin 350 Euro für 2 Wochen. Radio und Print hat nix, wirklich nullkommanix, gezahlt. Beim ZDF fand ich es schon krass, nichts zu bekommne, da man drei Monate Vollzeit arbeitet und dann ja noch ne Wohnung in Mainz plus Pendelkosten zahlen muss, wenn man wie ich nicht aus RP kommt.
S´is scho a kreuz....

Malina 23.05.2007 13:50

AW: Bezahlung Praktika
 
Ganz generell möchte ich gerne folgendes sagen:

Ich finde, ein Praktikant ist in der Regel

- kein Hungerkünstler
- kein wasserspeicherndes Kamel
- nicht im Zelt wohnend
- jemand, der Kleidung trägt

Und alle diese Dinge (Essen, Trinken, Wohnen, Kleidung) kosten GELD.
So ist das nun mal. Soweit gibt es wohl keinen ernsthaften Widerspruch.

Und wenn jetzt jemand seine Arbeitskraft einem Unternehmen zur Verfügung stellt, und das Unternehmen davon profitiert: Welchen Grund gibt es dann, diesen Jemand NICHT zu bezahlen?

Richtig. Es gibt keinen Grund. Oder höre ich Widerspruch?
Vielleicht sind ja ein paar Personaler hier, die ernsthaft die oben angegebenen Punkte in Zweifel ziehen.
Ich freue mich auf die Diskussion.

Und, werte Kollegen: Bitte geben Sie dann auch gerne den Namen Ihres Unternehmens an. Wir wollen doch mal sehen, wer sich traut, hier zu betonen, Praktikanten bräuchten kein Geld.

Ist Ihnen die Arbeit von Praktikanten etwa nichts wert?

Herzlichste Grüße
Malina

Libelle 23.05.2007 14:40

AW: Bezahlung Praktika
 
Tja, Praktikant sein muss man sich halt auch leisten können...darin sehe ich ein großes Problem.

Wer es sich finanziell leisten kann, unbezahlte Praktika in fremden Städten jenseits der Heimat zu machen, der kann seinen Lebenslauf hübsch aufrüsten. Die anderen kucken in die Röhre.

Das gilt auch für die Zeit nach dem Studium. Derjenige, bei dem Papas Dauerauftrag stillschweigend weiter aufs Konto überwiesen wird, kann zusehen, dass er durch unbezahlte oder schlecht honorierte Praktika doch noch irgendwo den Fuß in die Tür bekommt. Wer sich das nicht leisten kann, fängt halt gleich "irgendwo" an zu jobben, weil es anders nicht geht.

Entscheidet dann nicht der Geldbeutel über Chancen?

Sisilinha 23.05.2007 15:59

AW: Bezahlung Praktika
 
Zitat:

Zitat von Libelle

Entscheidet dann nicht der Geldbeutel über Chancen?

Hallo Libelle,
grundsätzlich gebe ich Dir recht, dass wir da auf einen Klassenjournalismus hinsteuern. Ich gehöre zur Kategorie der Bafög-Höchstsatzempfänger und konnte mir das Praktikum beim ZDF (und später noch eins Bonn) nur leisten, weil ich als Dolmetscherin gejobbt und dadurch etwas Geld auf die Kante gelegt hatte. Noch dazu fiel das Praktikum in die Vorlesungszeit, in der ich gerade am Abschluss-Kolloqium teilnahm und meine Diplomarbeit schrieb. Die war sogar schon angemeldet - geschrieben habe ich abends, NACH dem Praktikum. Das war hart, aber machbar.

Selbst mit einem 1er-Studiumabschluss wurden mir immer wieder unbezahlte Praktika mit der Aussicht auf ein Volo angeboten.
Ein besonders unmoralisches Angebot habe ich von der Zeitschrift "Freundin" aus München bekommen. Ich hatte einfach eine Initiativ-Bewerbung an den BURDA-Verlag geschickt und eines Tages kam eben der Anruf aus der "Freundin"-Redaktion. Jetzt schnallt euch an, das ist der Hammer:

Meine Bewerbung, flötete die Freundin-Frau am Hörer, hätte ihnen ja soo gut gefallen. Sie bekämen ja so viele Bewerbungen, und von über 100 derzeit vorliegenden hätten sie sich nur zwei rausgepickt.
"Da fühle ich mich aber geehrt, was sind denn ihre Auswahlkriterien, wenn ich fragen darf?"

- "Also, unsere Praktikanten müssen mindestens schon 3 Praktika im Medienbereich gemacht haben, damit da auch schon Erfahrung bei ist."

WIE BITTE??? Gut, zufällig hatte ich schon 389 Praktika, aber HALLO?

Das Praktikum sollte 6 Monate gehen - unbezahlt, und das in München, der günstigsten Stadt Deutschlands.

P.S.: ich habe dann dankend abgelehnt - und klar gesagt, dass ich ein Volo suche und kein Praktikum.
"Wir suchen unsere Volos grundsätzlich aus dem Pool der Besten Praktikanten des Jahres aus", hiess es dann.

Einen Tag später bekam ich wieder einen Anruf und plötzlich wollten sie mir pro Monat 500 Euro zahlen, plus Honorar für Texte, die es ins Heft schaffen. Tja, von 500 Euro krieg ich in München nciht mal ne Besenkammer zur Miete. Wo leben die denn?


Ich bin heute noch sauer über diese Masche.:-x

Das Schlimme ist, dass viele Praktikanten mit dem nötigen Kleingeld sich "für lau" anbieten und so den Markt kaputt machen, nur weil sie sich Wettbewerbsvorteile erhoffen. Eigentlich müsste ein Mindestlohn auch für Praktikanten her.

Lieselein 23.05.2007 16:41

AW: Bezahlung Praktika
 
Also ich - als Selbstfinanziererin meines Studiums - sehe es wie ihr! Ich konnte mir die letzten Jahre einfach kein Praktikum LEISTEN!!! Im letzten Jahr habe ich dann recht gut verdient und habe mir Geld zur Seite legen können, um endlich ein Praktikum machen zu können! In den Semesterferien werde ich jetzt auch noch ein wenig reinklotzen um ein gutes Polster für die Praktikumszeit zu haben! Im Herbst ist es dann soweit. Auf die Frage bei den jew. Unternehmen, ob es möglich wäre das Praktikum nur an vier statt an 5 Tagen pro Wochen zu absolvieren, damit man wenigstens noch an einem Tag in der Woche arbeiten kann (um danach nicht völlig blank zu sein), kam stets "NEIN" als Antwort. Außerdem wurde mir immer wieder deutlich gemacht, dass sich genügend andere Anwärter auf die gleiche Praktikumsstelle bewerben würden!!! Sprich: Friss oder Stirb!

Klar könnte ich mich weigern ein unentgeltliches Praktikum zu absolvieren. Aber was hätte ich davon? Nichts! Die begehrten und guten Praktika sind nahezu ALLE unbezahlt oder völlig unterbezahlt! Wenn ich nach meinem Studium eine Chance haben möchte, muss ich diesen Teufelskreis mitmachen! Und das wissen diese Unternehmen! Und das ärgert mich maßlos!

Weiterhin ärgert es mich, dass ich nur Praktika in meiner unmittelbaren Umgebung absolvieren kann, da ich mir ein Praktikum in München, Berlin oder Hamburg einfach nicht leisten kann! Obwohl mich die Medien an den o. g. Orten um einiges mehr interessieren als hier bei mir!

genickstarre 23.05.2007 16:49

AW: Bezahlung Praktika
 
Ich habe im März ein Praktikum bei einer lokalen Tageszeitung gemacht, allerdings war ich davor schon ein halbes Jahr als freie Mitarbeiterin für sie unterwegs (seltsame Reihenfolge, ich weiß). Zu den anderen Redakteuren und der Geschäftsführerin habe ich ein super Verhältnis. Und weil ich so viel geschrieben habe, habe ich netterweise "hinten herum" zusätzlich zu den 600 Euro "Taschengeld", wie es im Vertrag bezeichnet wird, noch mal 300 Euro Artikel-Pauschalen bekommen.
Prinzipiell hätte ich aber 600 bekommen sollen, was für deutsche Verhältnisse angeblich eh schon viel sein soll. Bei uns in Österreich bekommt man als Bademeister-Gehilfe schon mehr (nichts gegen Bademeister).
Ich finde die Situation, wie ihr sie beschreibt, echt schlimm.
Allerdings muss man das Wort Praktikum immer differenziert betrachten.
Wenn ein Schüler, der noch keine Erfahrung hat und die Redakteure mehr Zeit kostet, als ihnen Arbeit abzunehmen, in den Beruf hineinschnuppern möchte, finde ich es in Ordnung, dass er nur 500 Euro bekommt. Dafür lernt er ja hoffentlich viel (sonst ist es kein Praktikum, sondern ein schlechter Witz).
Dass aber Studenten, die schon seit Jahren als Freie arbeiten und viel Erfahrung haben, für eine 40 Stunden Woche + Überstunden mit einem Hungerlohn abgespeist werden, ist einfach nur tragisch.

kugelschreiber 23.05.2007 19:25

AW: Bezahlung Praktika
 
Hallo,

ich habe bei
Privat TV Marktführer kein Geld bekommen,
Lokalzeitung kein Geld,
Regionalfunk 125 €/mtl.
Meine Arbeit war die eines Redakteurs, meine Arbeitszeiten entsprechend. Da ich das wußte, habe ich entsprechend auf kurze Dauer der Praktika geachtet, nur der Einstieg beim Hörfunk hat vier Monate gedauert, dort habe ich auch grundlegendes gelernt.

Ich kann bestätigen: Praktikanten ersetzen je nach Redaktion pro Praktikant einen Arbeitsplatz, mindestens aber einen halben, von der Einarbeitungszeit abgesehen, die aber auch noch meist von Praktikanten betreut wird.

Gruß von kugelschreiber

msstudi 23.05.2007 20:46

AW: Bezahlung Praktika
 
Meine bisherigen Bezahlungen:

1. Praktikum (Print): 150 €/Monat
2. Praktikum (Radio): unbezahlt, aber zumindest mit angemessener Fahrtkostenerstattung
3. Praktikum (Online): unbezahlt, aber zumindest Erstattung des ÖPNV-Tickets

Dafür waren meine Arbeitszeiten aber in der Regel human, also für ein Praktikum angemessen. Überstunden musste ich eigentlich nur bei außergewöhnlichen Anlässen schieben -- das kam während meiner drei Praktika vielleicht insgesamt drei- oder viermal vor. Dafür durfte ich dann oft am nächsten Tag sogar später kommen. Insofern ist mir zum Glück erspart geblieben, dass ich in meinen Praktika für lau dieselbe Arbeit leisten musste wie ein normaler Redakteur.

P.S. Eigentlich bräuchte die Umfrage noch eine Kategorie "teils, teils". Denn bei mir war ja nur ein Praktikum wirklich bezahlt (wenn auch sehr schlecht).

lasse 24.05.2007 08:48

AW: Bezahlung Praktika
 
Zitat:

Zitat von Sisilinha
Tja, von 500 Euro krieg ich in München nciht mal ne Besenkammer zur Miete. Wo leben die denn?

Hm, eine Wohnung bekommt man aber selbst in München für diesen Preis. Rechnet man jedoch die Lebenshaltungskosten dazu, wird es eng bis unmöglich, da gebe ich dir Recht. Aber insgesamt halte ich das Angebot für nicht schlecht, vor allem auch, weil du noch deine Texte bezahlt bekommst. Solltest du da den normalen Honorarsatz erhalten, läge deine Vergütung ja schon deutlich über 500€.


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