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-   -   Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden? (http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?t=30026)

admin 16.02.2011 10:19

Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Hallo KollegInnen,
ich bitte um Eure Mithilfe und Meinung:
Wir bekommen immer wieder Jobangebote zur freien Mitarbeit, bei denen eine Honorarhöhe von etwa 3 Cent /Wort angeboten wird. Für mich stellt sich die Frage, wie ich mit solchen Angeboten umgehen soll:
  • Veröffentlichen, damit KollegeInnen, die ein solches Angebot interessiert, sich darauf bewerben können, auch wenn die Honorarhöhe jenseits der branchenüblichen Bezahlung liegt?
  • Oder löschen, weil es sich um Preisdumping handelt?
Ich würde mich um Eure Rückmeldungen freuen und bitte Euch, euch an der angehängten Umfrage zu beteiligen.

osa 16.02.2011 12:43

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Definitiv nicht.
Dieses Forum sollte doch Journalisten und angehende Journalisten in ihrer Arbeit unterstützen. Es ist eine Katastrophe, dass es solche Angebote überhaupt gibt, die meines Erachtens absolut ausbeuterisch sind. Diese hier noch publik zu machen, wäre fatal.
Ich bin derzeit als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung tätig und werde dort nach Tarif (wenn auch eher gering, wegen niedriger Auflage) bezahlt. Für den Text, den ich heute geschrieben habe, komme ich zumindest auf einen halbwegs passablen Lohn. Bei 3 cent pro Wort hätte ich an diesem sagenhafte 16,20 Euro verdient. Dafür war ich eine Stunde mit dem Auto unterwegs, eineinhalb Stunden auf dem Termin und habe zwei Stunden an dem Artikel geschrieben. Von diesem Geld kann ich vielleicht die Benzinkosten zahlen.
Arbeit muss sich lohnen. Das gilt auch für den Journalismus. Es gibt so viele junge Leute, die auf diesen Markt strömen, in der Hoffnung, dass sich ihr großer Traum erfüllt. Dafür machen sie (bzw. wir) schlecht oder unbezahlte Praktika, sind willig, jederzeit bereit Überstunden zu machen und freuen sich, wenn sie etwas tun dürfen.
Mit dieser Situation kann man sich abfinden, schließlich ist es eine erste Ausbildung und zumindest beim ersten Mal hat der Praktikant keine Ahnung was ihn erwartet und braucht ein bisschen mehr Zuwendung. Dann folgen die 400 Euro Stellen, bei denen bereits mehrere Praktika Voraussetzung sind -> billige Arbeitskräfte (noch besser tolle Stellen, die so beliebt sind, dass sich die einschlägigen Sender erlauben gar nichts zu zahlen)
Mit jeder Menge Glück bekommt man nach dem Studium (mit sehr guten Leistungen abgeschlossen, wenn's geht jung und mit Erfahrung) ein Volontariat angeboten. Da heißt es dann: "Leider können wir nicht nach Tarif zahlen, die Situation ist so schlecht" und die nächste billige, noch besser qualifizierte Arbeitskraft ist gefunden - Werden Volontäre eigentlich noch übernommen?
Danach folgt wieder freie Mitarbeit (wir hoffen ja noch immer auf den großen Durchbruch), meist wieder schlecht bezahlt... Im Idealfall gibts einen Partner, der das ganze finanziert. Oder die Eltern, die dem Traum ihrer Tochter/ihres Sohnes nicht im Wege stehen wollen und weiter Geld reinpumpen.
Bei diesen Voraussetzungen kann ich natürlich für 3 cent arbeiten. Denn dann ist das Schreiben ein Hobby. Wäre es aber nicht besser, sich von dieser Spirale nach unten zu lösen? Solche Angebote zu ignorieren und zumindest im Forum nur Jobs anbieten, die angemessen vergütet werden? Von alleine wird sich dieses Problem nicht lösen, denn es gibt einfach zu viele junge Menschen, die im Journalismus die Verwirklichung ihrer Ziele sehen und dafür alles tun.
Ich weiß nicht, ob ich falsch liege, aber ich befürchte, dass auch etablierte Journalisten (die Topstars der Szene ausgenommen) unter dieser Situation zu leiden haben oder leiden werden. Wenn ich als Arbeitgeber doch jemanden finde, der fast genauso gut ist und den Job für die Hälfte bzw. für ein Drittel des Geldes macht - wie viele sind denn so sozial denjenigen zu nehmen, der Tariflohn haben will?

Exkurs: glücklicherweise bin ich noch jung und flexibel. Deshalb schaue ich mich auch nach anderen Möglichkeiten um. Auf diesen Kampf habe ich keine Lust. Ich will nicht mit Mitte 30 noch immer vom Geld anderer abhängig sein.

arminR 16.02.2011 14:50

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ganz klar, Löschen !!!

Alles was nicht halbwegs zu einem realen Einkommen führt sollte aus diesem Forum darußen bleiben.

Beste Grüße
Armin

Texte-Büro 16.02.2011 15:42

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Also ich arbeite für sehr unterschiedliche Auftraggeber. Bei machen bekomme ich für einen Artikel mit rund 1.000 Wörtern 300 Euro, manchmal schreibe ich aber auch für 4 Cent je Wort. Das heißt alledings nicht, dass Letzteres wirklich schlecher bezahlt ist. Es kommt eben immer auf den Auftrag an. Ein Artikel mit viel Recherche sollte entsprechend bezahlt werden. Aber wenn ich zum Beispiel zwischendurch nur ein paar Kurzmeldungen für 4 Cent je Wort schreibe, komme ich trotzdem auf einen Stundenlohn von 20 Euro. Es kommt eben immer auf den Auftrag an.

LarsB 16.02.2011 15:51

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von osa (Beitrag 80328)
Auf diesen Kampf habe ich keine Lust. Ich will nicht mit Mitte 30 noch immer vom Geld anderer abhängig sein.

Ich kann dieses Gejammer nicht nachvollziehen. Vielleicht ist es dein Fehler, dass du bei einem nierigen Wortpreis automatisch absagst. Dabei können Texte mit einem nierigen Wortpreis und wenig Recherche manchmal lukrativer sein als gutbezahlte Großaufträge. Ein guter Unternehmer, und so eben auch ein Journalist, sollte auf einen gesunden Kunden-Mix achten. Und meiner Meinung nach gehören auch Aufträge dazu, bei denen man einfach Texte umscheibt. Das ist schnell verdientes Geld. Würde ich ausschließlich tolle Reportagen machen wollten, könnte ich davon nicht leben. Aber weil ich für sehr unterschiedliche Auftraggeber tätig bin, von SEO-Firmen bis hin zu Zeitschriften mit hoher Auflage, kann ich sehr gut davon leben.

Nemi217 16.02.2011 16:52

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ich kann mich Osa nur anschließen.
Unglücklicherweise gehöre ich zu diesen jungen aufstrebenden Schreiberlingen, die trotz guter Ausbildung (Studium, Praktika, Volontariat und freier Mitarbeit) es gerade schwer haben im Journalismus Fuß zu fassen. Praktika könnte ich viele machen, aber wer will schon der ewige Praktikant sein und eine feste Stelle zu finden ist auch kein Zuckerschlecken, ich bekam zu hören, dass die Situation so schlecht wäre. Nach dem Volontariat konnte ich auch nicht übernommen werden. Waren schon zwei neue Praktikanten da.:???:
Nun versuche ich mich als Freie, um überhaupt was tun zu können. Trotzdem nehm ich nicht alles an... Aber dann ein Jobangebot zu bekommen für 3 Cent/Wort ist für die Mühe und Arbeit, die man investieren soll, ein Witz. Und dann noch Qualität bieten?
Ich persönlich finde auch, dass meine Arbeit nicht ernstgenommen wird, wenn ich solche Honorarvorstellungen höre. Schließlich sollen in den meisten Fällen keine Texte einfach umgeschrieben werden, sondern neu erstellt.
Aber dieses Problem wird ein "Verbot" solcher Angebote nicht unbedingt lösen. Dann suchen sich diese Arbeitgeber andere Plattformen. Chancen seh ich da eher, wenn auch andere Plattformen hier mitziehen und solche Angebote nicht mer veröffentlichen.

Zum Glück bin auch ich flexibel und kann mich auch in anderen Bereichen als dem Journalismus orientieren, allerdings bleibt im Geldbeutel da auch nicht viel über. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass Arbeitgeber nichts für gut ausgebildete Arbeitnehmer zahlen wollen. Aber so kann es doch nicht weiter gehen!

hillerheider 16.02.2011 19:05

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Nicht nur aus purer Langeweile, sondern auch weil meine Mäuse mit Tränen aus dem Kühlschrank kommen, hatte ich als gestandene Fachjournalisten und Autorin einen solchen Job angenommen. Nach einer harten Arbeitswoche kann ich dafür jetzt 172 Euro berechnen. Dafür verkaufe ich lieber Überfüssiges auf ebay.

ramona 16.02.2011 21:04

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzhaft lachen ...
Put money in my hand (Videos).

HARK 17.02.2011 10:49

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
3 Cent / Wort???
Ich zweifle, ob es sich lohnt, zu diesem Preis einen Text abzukupfern und umzuschreiben...

Texte-Büro 17.02.2011 11:53

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von HARK (Beitrag 80339)
3 Cent / Wort???
Ich zweifle, ob es sich lohnt, zu diesem Preis einen Text abzukupfern und umzuschreiben...

Also ganz ehrlich: Wer bei 3 Cent je Wort für das Umschreiben von Texten nicht einmal auf 16 Euro die Stunde kommt, macht wirklich irgendwas falsch.

HARK 17.02.2011 12:24

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
16 Euro die Stunde?
Na prost Mahlzeit

Texte-Büro 17.02.2011 12:45

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Zitat:

Zitat von HARK (Beitrag 80342)
16 Euro die Stunde?
Na prost Mahlzeit

Ich sage nicht, dass das ein Top-Lohn ist. Aber manchmal muss man eben auch Aufträge mit einem mäßigen Honorar annehmen. Wer dann lieber gar nicht arbeitet und ausschließlich Top-Aufträge annimmt, hat selber Schuld, wenn er am Ende kaum Geld auf sein Konto bekommt. Ich sage nicht, dass dieses Honorar toll ist. Aber es ist eine gute Ergänzung, um zwischen den besser bezahlten Aufträgen weiterhin Geld reinzubekommen.

Hessenreporter 17.02.2011 22:59

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Mal ganz ehrlich: Ich hab' mich aus Langeweile auch dazu hinreissen lassen, mich bei Textbroker.de anzumelden. Und ich habe zwei oder drei Texte zu völlig hirnlosen Internetangeboten geschrieben. Danach ist mein Interesse sofort wieder erlahmt, auch wenn ich als Profi sehr schnell und sehr zielgerichtet arbeite.

Aber für das bißchen Geld lohnt es sich einfach nicht. Selbst als nettes Zubrot nicht. Da muss schon mehr ausbezahlt werden. Und für 16 Euro pro Stunde muss man massig schreiben. Auf 16 Euro pro Stunde durchschnittlich kommt man pro Monat sowieso nicht.

Freak 17.02.2011 23:13

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Volle Zustimmung, OSA, diese Angebote sollten weg.
Hatte ja mal auf eine Bewerbung die Antwort erhalten, dass meine Preise eine „Frechheit“ wären. So ist das heutzutage: Es ist eine Frechheit, wenn ein Mensch von seiner Arbeit leben will … :roll:


Andererseits würde ich Texte-Büro bedingt recht geben: 3 - 4 Cent sind schon sehr wenig. Aber wenn jemand ein Angebot für etwa 6 Cent einstellen möchte, soll sie/er dazuschreiben, was die Arbeit beinhaltet. Z. B. „leichte Korrekturtätigkeit“, „Produktbeschreibungen ohne Recherche“, etc.

Freak 17.02.2011 23:28

AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?
 
Ach ja, das hatte ich übersehen: Anscheinend ist die Mehrheit dafür, Dumpingangebote stehen zu lassen. Dann wäre es zumindest hilfreich, wenn alle Auftraggeber einen Preis veröffentlichen müssten. So hätten wir die Auswahl und diejenigen, die es nicht wünschen, müssten nicht ihre Zeit mit Bewerbungen für Niedriglohnangebote vergeuden.


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