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Alt 23.05.2007, 15:59   #10
Sisilinha
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Standard AW: Bezahlung Praktika

Zitat:
Zitat von Libelle

Entscheidet dann nicht der Geldbeutel über Chancen?
Hallo Libelle,
grundsätzlich gebe ich Dir recht, dass wir da auf einen Klassenjournalismus hinsteuern. Ich gehöre zur Kategorie der Bafög-Höchstsatzempfänger und konnte mir das Praktikum beim ZDF (und später noch eins Bonn) nur leisten, weil ich als Dolmetscherin gejobbt und dadurch etwas Geld auf die Kante gelegt hatte. Noch dazu fiel das Praktikum in die Vorlesungszeit, in der ich gerade am Abschluss-Kolloqium teilnahm und meine Diplomarbeit schrieb. Die war sogar schon angemeldet - geschrieben habe ich abends, NACH dem Praktikum. Das war hart, aber machbar.

Selbst mit einem 1er-Studiumabschluss wurden mir immer wieder unbezahlte Praktika mit der Aussicht auf ein Volo angeboten.
Ein besonders unmoralisches Angebot habe ich von der Zeitschrift "Freundin" aus München bekommen. Ich hatte einfach eine Initiativ-Bewerbung an den BURDA-Verlag geschickt und eines Tages kam eben der Anruf aus der "Freundin"-Redaktion. Jetzt schnallt euch an, das ist der Hammer:

Meine Bewerbung, flötete die Freundin-Frau am Hörer, hätte ihnen ja soo gut gefallen. Sie bekämen ja so viele Bewerbungen, und von über 100 derzeit vorliegenden hätten sie sich nur zwei rausgepickt.
"Da fühle ich mich aber geehrt, was sind denn ihre Auswahlkriterien, wenn ich fragen darf?"

- "Also, unsere Praktikanten müssen mindestens schon 3 Praktika im Medienbereich gemacht haben, damit da auch schon Erfahrung bei ist."

WIE BITTE??? Gut, zufällig hatte ich schon 389 Praktika, aber HALLO?

Das Praktikum sollte 6 Monate gehen - unbezahlt, und das in München, der günstigsten Stadt Deutschlands.

P.S.: ich habe dann dankend abgelehnt - und klar gesagt, dass ich ein Volo suche und kein Praktikum.
"Wir suchen unsere Volos grundsätzlich aus dem Pool der Besten Praktikanten des Jahres aus", hiess es dann.

Einen Tag später bekam ich wieder einen Anruf und plötzlich wollten sie mir pro Monat 500 Euro zahlen, plus Honorar für Texte, die es ins Heft schaffen. Tja, von 500 Euro krieg ich in München nciht mal ne Besenkammer zur Miete. Wo leben die denn?


Ich bin heute noch sauer über diese Masche.

Das Schlimme ist, dass viele Praktikanten mit dem nötigen Kleingeld sich "für lau" anbieten und so den Markt kaputt machen, nur weil sie sich Wettbewerbsvorteile erhoffen. Eigentlich müsste ein Mindestlohn auch für Praktikanten her.
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