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Alt 16.02.2011, 12:43   #2
osa
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Standard AW: Frage: Bezahlung 3 Cent /Wort - sollen solche Angebote im Jobforum veröffentlicht werden?

Definitiv nicht.
Dieses Forum sollte doch Journalisten und angehende Journalisten in ihrer Arbeit unterstützen. Es ist eine Katastrophe, dass es solche Angebote überhaupt gibt, die meines Erachtens absolut ausbeuterisch sind. Diese hier noch publik zu machen, wäre fatal.
Ich bin derzeit als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung tätig und werde dort nach Tarif (wenn auch eher gering, wegen niedriger Auflage) bezahlt. Für den Text, den ich heute geschrieben habe, komme ich zumindest auf einen halbwegs passablen Lohn. Bei 3 cent pro Wort hätte ich an diesem sagenhafte 16,20 Euro verdient. Dafür war ich eine Stunde mit dem Auto unterwegs, eineinhalb Stunden auf dem Termin und habe zwei Stunden an dem Artikel geschrieben. Von diesem Geld kann ich vielleicht die Benzinkosten zahlen.
Arbeit muss sich lohnen. Das gilt auch für den Journalismus. Es gibt so viele junge Leute, die auf diesen Markt strömen, in der Hoffnung, dass sich ihr großer Traum erfüllt. Dafür machen sie (bzw. wir) schlecht oder unbezahlte Praktika, sind willig, jederzeit bereit Überstunden zu machen und freuen sich, wenn sie etwas tun dürfen.
Mit dieser Situation kann man sich abfinden, schließlich ist es eine erste Ausbildung und zumindest beim ersten Mal hat der Praktikant keine Ahnung was ihn erwartet und braucht ein bisschen mehr Zuwendung. Dann folgen die 400 Euro Stellen, bei denen bereits mehrere Praktika Voraussetzung sind -> billige Arbeitskräfte (noch besser tolle Stellen, die so beliebt sind, dass sich die einschlägigen Sender erlauben gar nichts zu zahlen)
Mit jeder Menge Glück bekommt man nach dem Studium (mit sehr guten Leistungen abgeschlossen, wenn's geht jung und mit Erfahrung) ein Volontariat angeboten. Da heißt es dann: "Leider können wir nicht nach Tarif zahlen, die Situation ist so schlecht" und die nächste billige, noch besser qualifizierte Arbeitskraft ist gefunden - Werden Volontäre eigentlich noch übernommen?
Danach folgt wieder freie Mitarbeit (wir hoffen ja noch immer auf den großen Durchbruch), meist wieder schlecht bezahlt... Im Idealfall gibts einen Partner, der das ganze finanziert. Oder die Eltern, die dem Traum ihrer Tochter/ihres Sohnes nicht im Wege stehen wollen und weiter Geld reinpumpen.
Bei diesen Voraussetzungen kann ich natürlich für 3 cent arbeiten. Denn dann ist das Schreiben ein Hobby. Wäre es aber nicht besser, sich von dieser Spirale nach unten zu lösen? Solche Angebote zu ignorieren und zumindest im Forum nur Jobs anbieten, die angemessen vergütet werden? Von alleine wird sich dieses Problem nicht lösen, denn es gibt einfach zu viele junge Menschen, die im Journalismus die Verwirklichung ihrer Ziele sehen und dafür alles tun.
Ich weiß nicht, ob ich falsch liege, aber ich befürchte, dass auch etablierte Journalisten (die Topstars der Szene ausgenommen) unter dieser Situation zu leiden haben oder leiden werden. Wenn ich als Arbeitgeber doch jemanden finde, der fast genauso gut ist und den Job für die Hälfte bzw. für ein Drittel des Geldes macht - wie viele sind denn so sozial denjenigen zu nehmen, der Tariflohn haben will?

Exkurs: glücklicherweise bin ich noch jung und flexibel. Deshalb schaue ich mich auch nach anderen Möglichkeiten um. Auf diesen Kampf habe ich keine Lust. Ich will nicht mit Mitte 30 noch immer vom Geld anderer abhängig sein.
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