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Alt 20.01.2003, 17:44   #1
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard Kommentar: Krieg und (journalistische) Wahrheit

Alles Lüge?
Wieso beschweren wir uns eigentlich? Daß die Lüge in Zeiten des Krieges nicht Sünde sondern edle Kunst ist, lernen wir doch schon am humanistischen Gymnasium. Wenn etwa Odysseus dem Zyklopen Polyphemos weismacht, er heiße „Niemand“ und der leichtgläubige Riese dann in der Not wenig Erfolg hat mit dem Hilferuf „Niemand hat mich geblendet“ - so ist das nicht Folge einer üblen Lüge sondern einer geniale List, hören wir und lernen: Odysseus der Listenreiche - nicht Odysseus der Lügner.
Die Lüge gehört zum Krieg wie früher das Schwert und heute die intelligente Bombe. Der Schein bestimmt das Bewußtsein. Die Militärs wissen das nicht erst seit dem Vietnam-Krieg
So gehören zum „Network Centric Warefare“, wie die Amerikaner ihre moderne Kriegführung nennen, natürlich auch offensive „Medieoperationen“ - also die Versuche, Medien massiv zu beeinflussen. Und daß der irakische Diktator ein noch wesentlich flexibleres Verhältnis zur Wahrheit hat, ist ganz sicher nicht gelogen.
Wenn also der Krieg der Vater aller Lügen ist? Dann sind all jene um so mehr gefordert, deren Job die Wahrheit ist - oder zumindest die größtmögliche Annäherung daran.
Nur: Wie an die Wahrheit kommen, wenn überall nur Lug und Trug im Angebot zu finden sind?
Zum Beispiel durch das Internet.
Nein, ernsthaft: Ein Weg, sich der Wahrheit über diesen Krieg anzunähern, ist der, sich möglichst vielen „Wahrheiten“ anzunähern, ihre Quellen auf Glaubwürdigkeit und Interessenlage abzuklopfen und dann daraus die individuelle Quersumme zu ziehen. Nirgendwo sonst ist das so umfangreich, so schnell, so vielfältig möglich, wie im Web. Dort publizieren - nur den berühmten Mausklick voneinander entfernt - die regierungsamtlichen Propagandabüros der Kombattanten und die Friedensbewegten. Dort finden sich die lokalen Hilfsorganisationen und die Rüstungsdatenbanken. Saddams digitale Hilfstruppen und die Hackertrupps des Pentagon. Opfer und Täter. Journalisten und Analysten.
Wer die richtigen Links zu ihnen kennt, der kommt schneller an relevante Informationen, findet mehr und fundierteres Hintergrundwissen um seine Einschätzungen zu treffen, findet schneller die richtigen Fragen - und vielleicht auch ein paar Antworten.
Die Wahrheit ist irgendwo da draussen. Nur einen Mausklick weit weg.

Jürgen Wolff
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Alt 20.01.2003, 20:00   #2
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Kommentar: Krieg und (journalistische) Wahrhei

Lieber Kollege, nur eine Anmerkung zu deinem Kommentar.

Den Konsumenten von Medieninformationen Fakten und - so weit wie möglich - Wahrheiten zu über- und vermitteln, steht die Hürde der Verlagspolitik und der Wunsch nach Quote gegenüber. Denn Wahrheit kann unbeliebt machen und den Konsumentenstamm reduzieren. Und welcher Verlag, Sender, etc. pp. will das schon? In Zeiten des emotionalisierten 36,5 Grad-Journalismus und der immer wieder zitierten Werbeflaute, zählen offenkundig nur Verkaufszahlen und die Dividende.

Schönen Gruss, guso
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Alt 21.01.2003, 12:39   #3
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Kommentar: Krieg und (journalistische) Wahrhei

Hallo,

auch wenn die im Kommentar vertretene Haltung sicherlich gut und richtig ist, kann ich Gunthers Anmerkung dazu nur unterstreichen! Ein weiterer Aspekt wäre allerdings auch der Punkt, dass die (völlig berechtigte) Forderung nach umfassender Recherche, Quellenbeschaffung, Analyse etc. allein schon an den Arbeitsbedingungen vieler KollegInnen scheitert.
Internet-Zugänge an allen Arbeitsplätzen sind in manchen Tageszeitungsredaktionen noch immer nicht selbstverständlich. Dazu kommt permanenter Zeitdruck, Personalmangel usw., ganz zu schweigen von der nicht gerade verbreiteten Bereitschaft etlicher Verlage, ihren angestellten Redakteuren auch noch nach dem Volontariat qualifizierte Fortbildungen zu ermöglichen. Und, im übrigen: Wer wollte es wagen, den Anspruch auf Recherche, Fortbildung usw. gegenüber dem Arbeitgeber zu formulieren, wenn auch über dem eigenen Arbeitsplatz das Damoklesschwert des demnächstigen Stellenabbaus schwebt? Fazit: Der für unsere Berufsgruppe dringend erforderliche "Blick über den Tellerrand" wird doch nur allzu oft zu Lasten des Privatlebens in den Feierabend verlagert – wenn nicht gar als Hobby einiger, unverbesserlicher Idealisten belächelt. (Die es ja in diesem Job durchaus noch geben soll ...)

Sorry, aber das mußte mal gesagt sein! – auch wenn's mit dem Irak-Krieg nun gar nichts zu tun hat ...

Gruß

Nina
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Alt 26.01.2003, 17:36   #4
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Kommentar: Krieg und (journalistische) Wahrhei

Hallo,
Ja die Bedingungen journalistischer Recherche sind bescheiden. Dies gilt insbesondere auch für Freie JournalistInnen, da Auftraggeber bekanntermaßen im Tageszeitungsbereich nach Zeile und nicht nach Recherchezeit bezahlen. Kommt erschwerend hinzu dass "Nahostthemen" in der Regel Prestigethemen sind, über die gestandene (Chef-)RedakteurInnen lieber selbst Kommentare und Berichte schreiben um sich damit zu profilieren, statt Beiträge von spezialisierten Freien oder in dieser Thematik kundigen aber in der Hierarchie weniger wichtigen RedakteurInnen zu überlassen.
Nein das ist kein Grund von vornherein zu resignieren.
Gelernt habe ich das nicht zu Letzt von palästinensischen und israelischen JournalistInnen die trotz miserabelster Bedingungen, Gefahr für Leib und Leben und kurz vor dem finanziellen Ruin ein gemeinsames alternatives Informationsbüro und eine eigene Zeitschrift aufrechterhalten und gegen die mainstream Wahrheiten ihrer jeweiligen kommerziellen Medien anstänkern. Wenn einheimische JournalistInnen in Kriegs- und Krisengebieten oder in der sogenannten Dritten Welt nicht aufgeben und resignieren, sondern trotz eigener Betroffenheit weiter nach anderen Wahrheiten suchen als den offiziellen und dafür Knast oder sogar ihr Leben riskieren, sollten wir aus dem relativ freien, reichen und friedlichen Europa nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen - finde ich. Auch wenn reich natürlich relativ ist, auch wenn ich als freie immer wieder absolute finanzielle Pleitephasen habe - ich weiß ich werde hierzulande nicht erschossen für das was ich schreibe, komme in der Regel auch nicht dafür in den Knast und kurz vor dem Hungertod stehe ich auch nicht.
Je mehr JournalistInnen heute unbequeme Fragen stellen und kritische Themen vorschlagen all jenen Redaktionen für die sie ohnehin schon arbeiten, desto mehr wird sich diese Haltung auch durchsetzen und die Chance erhöhen, dass kritische Artikel auch abgedruckt werden. Hoffe und glaube ich. Und im Vergleich zum Golfkrieg vor 10 Jahren hat sich auch eine Menge getan, berichten auch regionale Zeitungen relativ vielseitig und tun nicht mehr jede hintergründige Recherche als "Verschwörungstheorie" oder mit den Worten "das ist uns zu heikel" ab.
Insofern stimme ich Jügen Wolff zu, dass wir es (relativ) einfach haben unbequeme Fragen zu stellen, sie per Mausklick oder wie auch immer zu recherchieren. Und wenn die Recherche nicht vorankommt ist es meiner Meinung nach schon wichtig im Beitrag kritische Fragen zu stellen, darauf hinzuweisen dass viele Informationen zum Irakkrieg aus offiziellen oder geheimdienstlichen Quellen stammen und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind, der Leserschaft zu vermitteln, dass es viele "Wahrheiten" gibt und zum Nachdenken anzuregen.
Jutta
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Alt 28.01.2003, 22:45   #5
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Kommentar: Krieg und (journalistische) Wahrhei

Hi!

Ist vielleicht ein eigenes Thema, aber trotzdem: Ich steh vor dem Problem, dass ich oft nicht einschätzen kann und ...will (weil ich es nicht kann , was mir das Web und anderes an Ergebnissen liefert. Ich stimme absolut zu, dass (klang in verschiedenen Postings an) das Internet eine Fundgrube ist - aber wer, wenn er sich viel im Netz tummelt und tankt, ist nicht a) an kritische Berichte genau zu diesem Tanken gestoßen oder b) hat nach dem Besuch vieler anderer Seiten für sich festgestellt, dass er beinahe einer gutgemachten Fake-/Lüge-/Propagana-Seite aufgessen wäre?

Ich bin heilfroh über die Menge der Infos, die man sammeln kann - aber bekomme manchmal auch eine "Ne, so einfach kann es ja gar nicht sein"-Haltung. Und weil ich keine Alternativen habe - werd ich dann unsicher. Und da mögen noch soviele Wahrheiten im Web stecken und damit verbunden eine Schelte (war in einem anderen Posting), warum man das nicht als Schreiber nutzt - für mich ist es im gleichen Maße schwierig geworden, welche Wahrheit da nu gerade verkauft wird.

Oder such ich auf den falschen Seiten?

Thomas
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