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Tagesgeschehen Diskutieren Sie hier das Tagesgeschehen. Wie verhalten sich Journalisten zu dem, was gerade passiert.

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Alt 10.03.2003, 14:35   #1
unbekannter User (Gast)
 
Beiträge: n/a
Standard The New Rulers of the World

Hallo zusammen,

habe gerade per Mail den nachfolgenden Text erhalten. Vielleicht ist er ja für den einen oder Anderen von Interesse?!

Viele Grüße

Marco Ewe
(vbpro.de)

Der britische Journalist, Autor und Filmemacher John Pilger wurde bereits mehrfach als »Journalist des Jahres« für unter anderem seine Berichte über Vietnam und Kambodscha ausgezeichnet. Sein neues Buch The New Rulers of the World (Die neuen Herrscher der Welt) erschien im Juli 2002 bei Verso Books und ist anscheinend noch unübersetzt. Im folgenden ein Auszug, übersetzt von „IW“ (bearb. von K. Schnurpfeil), der per E-Mail durchs Internet ging, Quellen: aswad@iafd2.free.de und robby@scn.org

Wohin auch immer man sich in der südirakischen Stadt Basra wendet, überall ist Staub. Der Staub wälzt sich über lange Straßen, die die Finger der Wüste bilden. Er gerät in die Augen, in die Nase und in die Kehle, er wirbelt über Märkte und Schulhöfe, wo er Kinder einhüllt, die mit einem Plastikball spielen, und er trägt, wie Dr. Jawad Al-Ali sagt, "den Keim unseres Todes".

23. Februar 2003

Dr. Al-Ali ist Krebsspezialist im Krankenhaus Basra und Mitglied des britischen Royal College of Physicians. Er hat einen gut geschnittenen Bart und ein freundliches Gesicht. Sein gestärkter weißer Kittel ist wie der Kragen seines Hemdes ausgefranst.

"Vor dem Golfkrieg hatten wir nur drei oder vier Krebstote pro Monat", sagte er. "Jetzt sind es 30-35 Patienten jeden Monat und das nur in meiner Station. Das ist ein zwölffacher Anstieg bei der Sterblichkeitsrate durch Krebs. Unsere Studien deuten darauf hin, daß 40-48% der Bevölkerung in diesem Gebiet an Krebs erkranken werden: das wird in 5 Jahren anfangen und lange Jahre anhalten. Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung.

"Die meisten in meiner Familie haben jetzt Krebs und das war in unserer Familie keine übliche Erkrankung. Wir kennen die genaue Quelle der Kontamination nicht, weil wir nicht die Instrumente besitzen dürfen, um eine ordentliche Studie durchzuführen oder auch nur, um zu testen, wieviel Strahlung unsere Körper aufweisen. Wir vermuten sehr stark, daß es das abgereicherte Uran ist, das die Amerikaner und Briten im Golfkrieg überall auf den Schlachtfeldern im Süden verwendeten; die genetischen Auswirkungen sind uns neu. Die Pilze sind jetzt riesengroß und die Fische in dem früher schönen Fluß sind ungenießbar. Sogar die Trauben in meinem Garten sind mutiert und können nicht mehr gegessen werden."

Auf dem Gang traf ich Dr. Ginan Ghalib Hassen, eine Kinderärztin. Eigentlich würde man sie als überschäumende Persönlichkeit beschreiben; nun hat sie einen melancholischen Ausdruck, der sich nicht verändert; es ist das Gesicht des Irak. "Dies ist Ali Raffa Asswadi", sagt sie und nimmt die Hand eines todkranken Jungen, den ich auf ungefähr vier Jahre geschätzt hätte. "Er ist neun. Er hat Leukämie. Wir können ihn nicht behandeln. Nur einige der Medikamente sind verfügbar. Wir bekommen Medikamente für zwei oder drei Wochen und dann keine mehr, wenn sie die Lieferungen anhalten. Wenn man die Behandlung nicht konsequent durchziehen kann, ist sie nutzlos. Wir können noch nicht einmal Bluttransfusionen geben, weil es nicht genug Blutkonserven gibt."

Dr. Hassen hat ein Fotoalbum von den Kindern, die sie zu retten versucht und denen, die sie nicht retten konnte. "Das ist Talum Saleh", sagt sie und zeigt auf das Foto eines Jungen im blauen Pullover mit strahlenden Augen. "Er ist fünfeinhalb. Er ist ein Fall von Hodgkin. Normalerweise kann ein Patient mit der Erkrankung überleben und 95% können geheilt werden. Aber wenn die Medikamente nicht vorhanden sind, gibt es Komplikationen und die Patienten sterben. Dieser Junge war wunderbar. Er mußte sterben."

Ich sagte: "Als wir herumgingen, fiel mir auf, daß Sie anhielten und mit dem Kopf gegen die Wand lehnten." - "Ja, ich wurde von meinen Gefühlen überwältigt... und ich bin Ärztin. Ich soll nicht weinen, aber ich weine jeden Tag, weil das einfach Folter ist. Diese Kinder könnten leben; sie könnten leben und erwachsen werden; und wenn Sie Ihre Kinder vor sich sehen, sterbend, was passiert dann in Ihnen?" Ich sagte: "Was sagen Sie den Menschen im Westen, die eine Verbindung zwischen abgereichertem Uran und den Deformationen dieser Kinder leugnen?" - "Das ist nicht wahr. Wieviele Beweise brauchen sie? Es gibt eine eindeutige Verbindungen zwischen angeborenen Mißbildungen und abgereichertem Uran. Vor 1991 gab es das hier nicht. Wenn es keine Verbindung gibt, warum traten diese Mißbildungen und Krankheiten vorher nicht auf? In den Familien der meisten dieser Kinder ist kein Krebs aufgetreten.
"Ich habe mich damit befaßt, was in Hiroshima passiert ist. Es ist fast genau dasselbe hier; wir haben einen erhöhten Anteil an Mißbildungen, einen erhöhten Anteil an bösartigen Tumoren, Leukämie, Hirntumoren: genau dasselbe."

Unter dem vom UN-Sicherheitsrat auferlegten wirtschaftlichen Embargo, das ins 14. Jahr geht, darf der Irak keine Ausrüstung und Fachliteratur besitzen, um die Schlachtfelder des Golfkriegs von 1991 zu dekontaminieren.

Prof. Doug Rokke, der Physiker der US-Armee, der für die Reinigung von Kuweit zuständig war, berichtete mir: "Mir geht es wie vielen Menschen im südlichen Irak. Ich habe das 5.000-fache der empfohlenen Strahlenhöchstdosis in meinem Körper. Die meisten aus meinem Team sind schon tot.

"Das ist ein Thema, mit dem die Menschen im Westen sich auseinandersetzen sollten, diejenigen, die ein Gefühl für richtig und falsch haben: USA und Briten haben ein Massenvernichtungsmittel eingesetzt: Uran. Wenn ein Panzer Granaten abfeuert, sind in jeder Salve 4.500 Gramm solid uranium. Was im Golfkrieg passierte, war eine Art des Atomkriegs.

"1991 berichtete die United Kingdom Atomic Energy Authority, daß wenn 8% des im Golfkrieg verschossenen abgereicherten Uran eingeatmet würden, ergäbe das ‚500.000 potentielle Todesfälle’. Im angekündigten Krieg gegen den Irak werden die USA wieder abgereichertes Uran einsetzen und Großbritannien ebenfalls, ungeachtet aller Dementis."

Prof. Rokke sagt, er habe erlebt, wie irakische Beamte an amerikanische und britische Beamte appellierten und diese baten, das Embargo aufzuheben, und sei es nur, um die Importe von Dekontaminierungs- und Krebsbehandlungsgeräten zuzulassen. "Sie beschrieben die Todesfälle und die erschreckenden Mißbildungen, aber sie wurden kurz abgefertigt", sagte er. "Es war mitleiderregend."

Das UN-Sanktionskomitee in New York, das vom Sicherheitsrat eingesetzt wurde, um das Embargo zu verwalten und zu überwachen, wird von Amerikanern dominiert, die von den Briten unterstützt werden. Washington hat gegen eine Reihe lebenswichtiger medizinischer Ausrüstung Vetos eingelegt oder diese aufgehalten, darunter Medikamente zur Chemotherapie, sogar Schmerztabletten. [Im Jargon der Verweigerung bedeutet "blockiert" dasselbe wie ein Veto, und "aufgehalten" bedeutet den Stop der Lieferung, oder vielleicht heißt es auch blockiert. IW] In Baghdad saß ich in einer Klinik, während Ärzte Eltern mit ihren Kindern empfingen, die meisten von ihnen mit grauer Haut und kahlen Köpfen, einige von ihnen kurz vor dem Tod. Nach jeder zweiten oder dritten Untersuchung schrieb die junge Krebsärztin Dr. Lekaa Fasseh Ozir auf Englisch: "No drugs available". Ich bat sie, mir eine Liste von Medikamenten zu notieren, die das Krankenhaus bestellt, aber nie erhalten oder verspätet erhalten hatte. Diese Liste füllte eine Seite in meinem Notizbuch.

Ich hatte im Irak für meine Dokumentation "Paying the Price: Killing the Children of Iraq" gefilmt. Zurück in London, zeigte ich Dr. Ozirs Liste Prof. Karol Sikora, dem Chef des Krebsprogramms der WHO. Er hatte im British Medical Journal geschrieben: "Angeforderte Radiotherapiegeräte, Medikamente zur Chemotherapie und schmerzstillende Medikamente werden konsequent von den amierkanischen und britischen Beratern [des Sanktionskomitees] blockiert. Es scheint da die recht absurde Vorstellung zu geben, daß solche Geräte und Medikamente auch zur Herstellung von chemischen und anderen Waffen eingesetzt werden können. Fast all diese Medikamente sind in jedem britischen Krankenhaus verfügbar. Sie gehören zum Standard. Als ich letztes Jahr aus dem Irak zurückkam, stellte ich mit einer Expertengruppe eine Liste von 17 Medikamenten auf, die für die Krebsbehandlung grundlegend sind. Wir informierten die UN, daß es keine Möglichkeit gibt, aus diesen Medikamenten irgendetwas zu machen, das für die chemische Kriegführung eingesetzt werden kann. Wir bekamen von der UN nie eine Antwort.
Das Traurigste, was ich im Irak gesehen habe war, daß Kinder starben, weil es keine Chemotherapie gibt und keine Schmerzbehandlung. Es ist verrückt, daß sie nicht einmal Morphine haben dürfen, weil das für Patienten mit Krebsschmerzen die besten Medikamente sind. Als ich dort war, hatten sie gerade eine kleine Flasche Aspirintabletten für 200 Patienten mit erheblichen Schmerzen. Mal bekamen sie Medikamente zur Krebstherapie, aber nur wenig in großen zeitlichen Abständen, so daß man nicht planen konnte. Das ist bizarr."

Ich erzählte ihm, daß mir einer der Ärzte besonders erregt berichtet hatte, das UN-Sanktionskomitee habe Lachgas auf die Liste der unerlaubten Güter gesetzt, weil es auch für militärische Zwecke gebraucht werden könne; diese Substanz wird bei Kaiserschnitten verwendet, um die Blutung zu stoppen und damit unter Umständen das Leben der Mutter zu retten. "Ich kann keinen Sinn darin sehen, das nicht zuzulassen", sagte Sikora. "Ich bin zwar kein Waffenexperte, aber die hier verwendeten Mengen sind so gering, daß selbst wenn man die gesamten Vorräte überall im Land sammeln und zusammenkippen würde, dann wäre es immer noch nicht möglich, daraus eine chemische Waffe herzustellen."

Dennis Halliday ist ein liebenswürdiger Ire, der 34 Jahre für die UNO arbeitete, zuletzt als Assistent-Secretary-General. Als er 1998 sein Amt als Humanitärer Koordinator der UN für den Irak niederlegte, um gegen die Auswirkungen des Embargos auf die Zivilbevölkerung zu protestieren, geschah dies, wie er schrieb, "weil die Politik der wirtschaftlichen Sanktionen völlig bankrott ist. Wir sind dabei, eine gesamte Gesellschaft zu zerstören. Es ist nichts anderes als das... Fünftausend Kinder sterben jeden Monat... Ich möchte keinem Programm vorstehen, daß Zahlen wie diese produziert."

Seit ich Halliday traf, war ich ergriffen von dem Prinzip hinter diesen sorgfältig gewählten, kompromißlosen Worten. "Ich wurde angewiesen", sagte er, "eine Politik durchzusetzen, die der Definition des Genozids genügt: eine willkürliche Politik, die wirkungsvoll weit über eine Million Menschen, Kinder und Erwachsene, getötet hat. Wir alle wissen, daß das Regime - Saddam Hussein - nicht den Preis für die wirtschaftlichen Sanktionen zahlt; im Gegenteil, er wird durch sie gestärkt. Es sind die kleinen Leute, die ihre Kinder verlieren oder ihre Eltern, wegen des Mangels an reinem Trinkwasser. Es ist eindeutig, daß der Sicherheitsrat außer Kontrolle ist, denn seine Handlungen hier untergraben seine eigene Charta und die Deklaration der Menschenrechte und die Genfer Konvention. Die Geschichte wird die Verantwortlichen richten."

In der UNO brach Halliday ein langes kollektives Schweigen. Am 13. Februar 2000 trat Hans von Sponeck zurück, der ihm als Humanitärer Koordinator in Baghdad gefolgt war. Wie Halliday hatte er über 30 Jahre für die UNO gearbeitet. "Wie lange", fragte er, "soll die Zivilbevölkerung des Irak einer solchen Bestrafung ausgesetzt sein für etwas, das sie nie getan hat?" Zwei Tage später trat Jutta Burghardt zurück, die Vorsitzende des Welternährungsprogramms im Irak, einer weiteren UN-Behörde. Sie sagte, sie könne ebenfalls nicht länger tolerieren, was dem irakischen Volk angetan werde.

Solche Rücktritte hatte es nie zuvor gegeben. Alle drei sprachen das Unsagbare aus: daß der Westen für ein Massensterben verantwortlich war; Halliday schätzte es auf über eine Million Menschen. Während Nahrung und Medikamente rein technisch ausgenommen sind, hat das UN-Sanktionskomitee häufig Anforderungen für Babynahrung, landwirtschaftliche Ausrüstung, Herz- und Krebsmedikamente, Sauerstoffzelte, Röntgenapparate mit Veto abgelehnt oder "aufgehalten". Sechzehn Herz- und Lungenmaschinen wurden "angehalten", weil sie Computerchips enthalten. Eine Lieferung Krankenwagen wurde aufgehalten, weil zu ihrer Ausrüstung Vakuumflaschen gehören, die Medikemante kühlen; diese Flaschen gelten dem Sanktionskomitee als "auch militärisch verwendbar", was bedeutet, sie könnten möglicherweise zur Waffenherstellung verwendet werden. Reinigungsmaterialien wie Chlor gelten als dual use, ebenso wie das Graphit in Bleistiften, so wie anscheinend auch fahrbare Krankentragen, nach der Häufigkeit zu urteilen, mit der sie auf den Listen mit "aufgehaltenen" Gütern erscheinen.

Bis Oktober 2001 wurden 1.010 Verträge zur Lieferung humanitärer Güter im Wert von 3,85 Milliarden US-Dollar vom Sanktionskomitee "aufgehalten". Darunter befanden sich Güter, die im Zusammenhang mit Nahrung, Gesundheit, Wasser und Hygiene, Landwirtschaft und Bildung stehen. Dies hat sich mittlerweile auf Güter im Wert von über 5 Milliarden Dollar erhöht. Darüber wird im Westen kaum berichtet.

Als Denis Halliday der höchste UN-Beamte im Irak war, stand im Foyer seines Büros ein Ausstellungsstück, das einen Sack Weizen, etwas Speiseöl, einige Stücke Seife und ein paar andere Haushaltswaren enthielt. "Es war ein erbarmungswürdiger Anblick", sagte er, "das war die monatliche Ration, die wir ausgeben durften. Ich fügte Käse hinzu, um den Proteinanteil zu erhöhen, aber es war einfach nicht genug Geld dafür vorhanden bei dem, was wir ausgeben durften. Diese Summe stammte von den Einkünften, die der Irak mit Ölverkäufen machen durfte."

Er beschreibt die Nahrungslieferungen als "Übung in Doppelzüngigkeit". Eine Lieferung, von der die Amerikaner angeben, sie enthalte 2.300 Kalorien pro Person und Tag, macht tatsächlich 2.000 Kalorien oder noch weniger aus. "Was fehlt", sagte er", "sind tierische Proteine, Mineralien und Vitamine. Da die meisten Iraker keine andere Einkommensquelle haben, wird Nahrung gegen anderes getauscht; sie wird verkauft, um andere notwendige Güter beschaffen zu können, was das Kalorienangebot nochmals reduziert. Die Menschen müßen auch Kleidung und Schuhe haben, so daß die Kinder zur Schule gehen können. Das ergibt dann unterernährte Mütter, die ihre Säuglinge nicht stillen können; sie müssen schlechtes Trinkwasser nehmen".

Was gebraucht wird sind Investitionen zur Wasserreinigung und -verteilung, Strom zur Nahrungslagerung, -verarbeitung und -kühlung, Bildung und Landwirtschaft." Sein Nachfolger Hans von Sponeck rechnet, daß das "Öl-für-Nahrung"-Programm jedem Menschen jährlich 100 Dollar zum Leben einbringt. Diese Zahl muß ebenfalls für die gesamte gesellschaftliche Infrastruktur und die grundlegenden Dienstleistungen wie Wasser und Strom reichen.

"Es ist einfach nicht möglich, von einer solchen Summe zu leben", sagte mir von Sponeck. "Halten Sie diese Summe gegen den Mangel an reinem Trinkwasser, gegen die Tatsache, daß bis zu 22 Stunden täglich der Strom ausfällt, und daß die Mehrheit der erkrankten Menschen sich keine Behandlung leisten kann, und das absolute Trauma, sich von Tag zu Tag durchzuschlagen, und Sie haben einen kleinen Eindruck vom Alptraum. Und täuschen Sie sich nicht, das ist Willkür. Ich habe vorher noch nie den Begriff Genozid anwenden wollen, aber jetzt ist er unvermeidbar."

Die Sterblichkeitsraten sind schwindelerregend. Eine Studie des UN Children's Fund (Unicef) ermittelte, daß zwischen 1991 und 1998 500.000 mehr irakische Kinder unter 5 Jahren starben als die geschätzte Rate. Das macht 5.200 zu vermeidende Todesfälle bei Kindern unter 5 pro Monat.

Hans von Sponeck sagte: "Cirka 167 irakische Kinder sterben pro Tag." Denis Halliday sagte: "Wenn Sie die Todesfälle bei Erwachsenen dazuzählen, liegt die Zahl nun fast sicher weit über 1 Million." Eine Melancholie zermürbt die Menschen. Das fühlte ich bei den abendlichen Auktionen in Baghdad, bei denen geschätzter Besitz verkauft wird, um Nahrung und Medikamente kaufen zu können. Fernsehgeräte sind häufig dabei. Eine Frau mit zwei Kleinkindern mußte für Pfennige ihre Kinderwagen verkaufen. Ein Mann, der seit er 15 war Tauben gezüchtet hatte, kam mit dem letzten Vogel; als nächstes würde er den Käfig verkaufen.

Meine Filmcrew und ich waren gekommen, um zuzusehen, aber wir wurden doch willkommen geheißen; oder die Menschen kümmerten sich einfach nicht um unsere Anwesenheit, wie es die Bedrückten tun. Während der drei Wochen im Irak wurde ich nur einmal zum Ziel des Ärgers eines Menschen. "Warum tötet ihr die Kinder?" rief ein Mann auf der Straße. "Warum bewerft ihr uns mit Bomben? Was haben wir euch getan?" Durch die Glastüren eines Baghdader Büros der Unicef kann man folgende Erklärung lesen: "...vor allem Überleben, Hoffnung, Entwicklung, Respekt, Würde, Gleichheit und Gerechtigkeit für Frauen und Kinder."

Glücklicherweise können die Kinder draußen auf der Straße, mit ihren bleistiftdünnen Gliedern und ihren langen, dünnen Gesichtern, kein Englisch lesen und vielleicht können sie überhaupt nicht lesen. "Die Veränderungen in einer solch kurzen Zeit sind nach meinen Erfahrungen ohne Vergleich", sagte Dr. Anupama Rao Singh, die höchste Unicef- Repräsentantin.

"1989 lag die Alphabetisierungsrate bei über 90%; Eltern mußten Geldstrafen zahlen, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schickten. Das Phänomen der Straßenkinder war nicht vorhanden. Der Irak hatte ein Niveau erreicht, bei dem die Basisindikatoren, mit denen wir das gesamte Wohlergehen von Menschen messen, zu den besten der Welt gehörten. Nun ist der Irak unter den schlechtesten 20 Prozent."

Dr. Singh, klein, grauhaarig und mit der Präzision der früheren Lehrerin (sie unterrichtete in Indien), hat den größten Teil ihrer Arbeitsjahre bei Unicef verbracht. Sie nahm mich in eine typische Grundschule in Saddam City mit, wo die Mehrheit und die Ärmsten der Baghdader leben. Wir kamen über eine überflutete Straße; die Abwasser- und Trinkwassersysteme der Stadt sind seit den Bombardements des Golfkriegs zusammengebrochen.

Der Rektor Ali Hassun führte uns um die Pfützen von Abwässern auf dem Schulhof herum und zeigte auf die Hochwassermarke am Gebäude. "Im Winter steht es so hoch. Dann evakuieren wir. Wir bleiben so lange wie möglich, aber ohne Tische müssen die Kinder auf den blanken Ziegeln sitzen. Ich mache mir Sorgen, daß das Gebäude zusammenbricht." Während wir sprachen, ging in der Ferne eine Luftangriffsirene los. Die Schule liegt am Rande eines großen Industriefriedhofs. Die Pumpen der Kläranlagen und die in den Trinkwasseraufbereitungsanlagen liegen still, nur einige wenige laufen müde mit einem Bruchteil ihrer eigentlichen Kapazität. Die, die nicht durch Bomben beschädigt wurden, sind seitdem kaputtgegangen; Ersatzteile von ihren britischen, französischen und deutschen Herstellern sind dauerhaft "aufgehalten".

Vor 1991 war das Trinkwasser in Baghdad so sicher wie in der entwickelten Welt. Heute, ungereinigt aus dem Tigris entnommen, ist es tödlich. Kurz vor Weihnachten 1999 begrenzte das Handels- und Industrieministerium in London den Export von Impfseren, die die irakischen Kinder gegen Diphterie und Geldfieber schützen sollten.

Dr. Kim Howells berichtete dem Parlament den Grund. Sein Titel als Parlamentarischer Unterstaatssekretär für Wettbewerb und Verbraucherangelegenheiten paßte wunderbar zu seiner Orwellschen Antwort. Die Impfstoffe für die Kinder, so sagte er, "könnten in Massenvernichtungswaffen benutzt werden".

Amerikanische und britische Flugzeuge operieren über dem Irak in den von ihren Regierungen ausgewiesenen Flugverbotszonen. Das heißt, daß dort nur sie und ihre Alliierten fliegen können. Die ausgewiesenen Gebiete liegen im Norden um Mossul bis zur türkischen Grenze und im Süden von genau unterhalb Baghdad bis zur kuweitischen Grenze. Die Regierungen der USA und Englands bestehen darauf, daß die Flugverbotszonen "legal" seien und behaupten, daß sie Bestandteil der Resolution 688 des Sicherheitsrates seien bzw. von dieser gestützt würden.

Da wird viel vernebelt, der übliche vom Außenministerium erzeugte Nebel, wenn seine Erklärungen auf Widerstand stoßen. Es gibt keinen Hinweis auf Flugverbotszonen in den Resolutionen des Sicherheitsrates, was nahelegt, das sie nach internationalem Recht keine Grundlage haben.

Ich fuhr nach Paris und fragte Dr. Boutros Boutros-Ghali, der 1992 UN-Generalsekretär war, als die Resolution verabschiedet wurde. "Das Thema der Flugverbotszonen wurde nicht angesprochen und daher auch mit keinem Wort diskutiert", sagte er. "Da gibt es keine Legitimierung für Länder, die ihre Flugzeuge für Angriffe in den Irak schicken." - "Heißt das, daß dies illegal ist?" fragte ich. "Das ist illegal", antwortete er.

Das Ausmaß der Bombardements in den Flugverbotszonen ist unglaublich. Zwischen Juli 1998 und Januar 2000 flogen amerikanische Flugzeuge der Luftwaffe und der Marine 36.000 Missionen über dem Irak, darunter 24.000 Kampfmissionen. Allein im Jahr 1999 warfen amerikanische und britische Flugzeuge über 1.800 Bomben und trafen 450 Ziele. Die Kosten für den britischen Steuerzahler liegen über 800 Millionen Pfund.

Fast täglich wird bombardiert: es handelt sich um die längste anglo-amerikanische Luftkampagne seit dem Zweiten Weltkrieg; trotzdem wird sie von den britischen und amerikanischen Medien weitgehend ignoriert. In einem der seltenen Fälle berichtete die New York Times: "Amerikanische Kampfflugzeuge haben methodisch und fast ohne öffentliche Diskussion den Irak immer wieder angegriffen... Die Piloten haben ca. zwei Drittel so viele Missionen geflogen wie die NATO-Piloten über Jugoslawien während der 78 Tage des rund um die Uhr gehenden Krieges dort."

Der Zweck der Flugverbotszonen ist den amerikanischen und britischen Regierungen zufolge der Schutz der Kurden im Norden und der Shiiten im Süden vor den Streitkräften von Saddam Hussein. Die Flugzeuge leisten eine "lebenswichtige humanitäre Aufgabe", sagt Tony Blair, die den "Angehörigen der Minderheiten die Hoffnung auf Freiheit und das Recht [geben wird], ihr Schicksal selbst zu bestimmen".

Wie viele von Blairs Aussagen zum Irak ist diese einfach falsch. Im nördlichen irakischen Kurdistan interviewte ich Mitglieder einer Familie, die ihren Großvater, den Vater und vier Kinder verloren hatte, als "Koalitions"-Flugzeuge im Tiefflug sie und ihre Schafe angriffen. Der Angriff wurde von Hans von Sponeck untersucht und bestätigt, der dort eigens von Baghdad hingefahren war. Dutzende ähnlicher Angriffe - auf Schafhirten, Bauern, Fischer - werden in einem Dokument der UN Security Section beschrieben.

Die USA sähen sich im Irak einem "echten Dilemma" gegenüber, schrieb das Wall Street Journal. "Nach acht Jahren des Durchsetzens einer Flugverbotszone im (...) Irak bleiben nur wenige militärische Ziele. 'Wir sind beim letzten Scheißhaus angekommen', sagte ein US-Beamter. 'Es ist noch ein bißchen übrig geblieben, aber nicht viel'."

Es sind noch Kinder übrig. Sechs Kinder starben, als ein amerikanisches Geschoß Al Jumoria traf, ein Viertel in der ärmsten Gegend von Basra: 63 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen erlitten schwere Brandwunden. "Kollateralschäden", sagte das Pentagon. Ich ging die Straße entlang, in der das Geschoß am frühen Morgen eingeschlagen war; es war der Häuserzeile gefolgt und hatte ein Haus nach dem anderen zerstört. Ich traf den Vater von zwei Töchtern im Altern von 8 und 10 Jahren, die von einem örtlichen Hochzeitsfotografen kurz nach dem Angriff fotografiert wurden. Sie tragen ihre Nachthemden, eine hat eine Spange im Haar, und ihre Leichen liegen im Schutt ihrer Elternhäuser, unter dem sie in ihren Betten begraben wurden. Diese Bilder verfolgen mich.

Ich flog nach New York für ein Interview mit Kofi Annan, dem UN-Generalsekretär. Er erscheint merkwürdig zaghaft und spricht so leise, daß er kaum hörbar ist.

"Als Generalsekretär der Vereinten Nationen, die dem Irak diese Blockade auferlegen", sagte ich, "was sagen Sie den Eltern der sterbenden Kinder?" Seine Antwort war, der Sicherheitsrat erwäge "kluge Sanktionen", die die "Führer treffen" sollten und nicht "stumpfes Instrument" seien, das "die Kinder treffe". Ich sagte, die UN seien dazu da, den Menschen zu helfen und nicht, um ihnen zu schaden und er antwortete: "Bitte beurteilen Sie uns nicht nach dem, was im Irak geschieht."

Ich ging zum Büro von Peter van Walsum, dem niederländischen UN-Botschafter und Vorsitzenden des Sanktionskomitees. Mich beeindruckte am meisten bei diesem Diplomaten mit Macht über Leben und Tod von 22 Millionen Menschen auf der anderen Seite der Welt, daß er offenbar zwei diametral entgegengesetzte Meinungen hatte. Einerseits sprach er vom Irak, als sei dort jeder Mensch Saddam Hussein, andererseits schien er zu glauben, daß die meisten Iraker Opfer seien, Geiseln der Undurchsichtigkeit eines Diktators.

Ich fragte ihn, warum die Zivilbevölkerung für Saddam Husseins Verbrechen bestraft werden solle. "Das ist ein schwieriges Problem", antwortete er. "Sie sollten erkennen, daß Sanktionen einer der Heilmaßnahmen sind, die dem Sicherheitsrat zur Verfügung stehen... und offenbar haben sie Wirkung. Sie sind wie Militärmaßnahmen." - "Wen treffen diese Maßnahmen?" - "Ja, sehen Sie, daß ist das Problem... aber bei militärischen Aktionen haben Sie auch das ewige Problem der Kollateralschäden." - "Also ist eine gesamte Nation ein Kollateralschaden. Ist das richtig?"- "Nein, ich meine, daß Sanktionen [ähnliche] Auswirkungen haben. Wir müssen das weiter untersuchen."

"Sind Sie der Meinung, daß Menschen Rechte haben, gleich wo und unter welchem System sie leben?" fragte ich. "Ja." - "Heißt das nicht, daß die von Ihnen verhängten Sanktionen die Menschenrechte mehrerer Millionen Menschen verletzen?" - "Es ist auch dokumentiert, daß das irakische Regime sehr schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begangen hat..."

"Das steht außer Zweifel", sagte ich. "Aber wo liegt der prinzipielle Unterschied zwischen Menschenrechtsverletzungen durch das Regime oder denen, die durch Ihr Komitee verursacht werden?" - "Das ist ein sehr komplexes Thema, Mr. Pilger."

"Was sagen Sie denen, die Sanktionen beschreiben, die so viele Todesfälle verursacht haben wie so tödliche 'Massenvernichtungswaffen' wie z.B. chemische Waffen?" - "Ich glaube nicht, daß das ein fairer Vergleich ist." - "Meinen Sie nicht, daß der Tod von einer halben Million Kinder Massenvernichtung ist?" - "Ich halte diese Frage nicht für fair. Wir sprechen über eine Situation, die von einer Regierung ausgelöst wurde, die ihre Nachbarn angegriffen hat und über Massenvernichtungswaffen verfügt."

"Warum gibt es dann keine Sanktionen gegen Israel, das den größten Teil Palästinas besetzt und den Libanon fast täglich angreift? Warum gibt es keine Sanktionen gegen die Türkei, die drei Millionen Kurden zur Flucht gezwungen hat und den Tod von 30.000 Kurden verursachte?" - "Nun, es gibt viele Länder, die Dinge tun, über die wir nicht glücklich sind. Wir können nicht überall sein. Ich wiederhole, das ist komplex." - "Wieviel Macht haben die USA über Ihr Komitee?" - "Wir handeln im Konsens." - "Und wenn die Amerikaner dagegen sind?" - "Dann handeln wir nicht."

Es gibt nur wenig Zweifel daran, daß Saddam Hussein seine Leute verhungern lassen würde, wenn er darin einen politischen Vorteil sähe. Es ist kaum überraschend, daß er für sich selbst, seinen inneren Kreis und vor allem für seinen Militär- und Sicherheitsapparat gesorgt hat.

Seine Paläste und seine Geister sind wie seine Porträts einfach überall. Im Unterschied zu anderen Tyrannen hat er nicht nur überlebt, sondern genoß vor dem Golfkrieg auch ein Maß an Popularität, indem er seine Bevölkerung mit den Öleinnahmen des Irak kaufte. Nachdem er Opponenten entweder ermordet oder ins Exil getrieben hatte, hat er mehr als andere arabische Führer den Ölreichtum genutzt, um die zivile Infrastruktur zu modernisieren, erstklassige Krankenhäuser, Schulen und Universitäten zu bauen.

Auf diese Weise schuf er eine relativ große, gesunde, gut ernährte, gut gebildete Mittelklasse. Vor den Sanktionen konsumierten die Iraker täglich über 3.000 Kalorien; 92% der Bevölkerung hatte Zugang zu reinem Trinkwasser und 93% hatte Zugang zu freier medizinischer Versorgung. Die Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen war eine der höchsten der Welt und lag bei cirka 95%. Der Intelligence Unit des ‚Economist’ zufolge "war der irakische Wohlfahrtsstaat bis vor kurzem unter den umfangreichsten und großzügigsten in der arabischen Welt."

Es wird behauptet, der einzige Profiteur der Sanktionen sei Saddam Hussein. Er hat das Embargo benutzt, um die Staatsmacht zu zentralisieren und so seine direkte Kontrolle über das Leben der Menschen zu verstärken. Da die meisten Iraker jetzt von staatlichen Lebensmittelzuteilungen abhängig sind, ist organisierter politischer Dissens unvorstellbar. Auf jeden Fall wird er bei den meisten Irakern ausgelöscht durch den Kummer und die Wut, die sie gegenüber einem externen Feind, den westlichen Regierungen, empfinden.

In der relativ offenen und pro-westlichen Gesellschaft, die im Irak vor 1991 existierte, gab es immer die Möglichkeit eines Aufstands, wie die Rebellionen der Kurden und der Shiiten in dem Jahr zeigten. Im gegenwärtigen Zustand der Blockade gibt es diese nicht mehr. Das ist die unerwähnte Errungenschaft der anglo-amerikanischen Blockade.

Die wirtschaftliche Blockade des Irak muß aufgehoben werden, schon aus dem Grund, weil sie umoralisch ist, ihre Auswirkungen inhuman. Wenn das passiert, sagt der frühere UN-Waffeninspekteur Scott Ritter, "müssen die Waffeninspekteure zurück in den Irak und ihr Mandat vollenden, das zuvor neu umschrieben werden muß. Ursprünglich sollte es eine quantitative Entwaffnung bewirken und jede Schraube, jeden Nagel, jedes Dokument umfassen, das im Irak existiert. So lange der Irak dem nicht nachkam, befolgte er die Richtlinien nicht und es gab keinen Fortschritt. Wir sollten das Mandat auf eine qualitative Entwaffnung hin ändern. Hat der Irak heute chemische Waffenprogramme? Nein. Hat der Irak heute Langstreckenraketenprogramme? Nein. Nukleare? Nein. Biologische? Nein. Ist der Irak qualitativ entwaffnet? Ja. Daher sollten wir den Irak weiterhin überwachen, um sicherzustellen, daß sie solche Programme nicht wieder aufnehmen."

Schon vor den Machenschaften im UN-Sicherheitsrat im Oktober und November 2002 hatte der Irak die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde wieder einreisen lassen. Zum Entstehungszeitpunkt dieses Buches gibt es eine neue Resolution, die mit Bestechung und Druck von der Regierung Bush durch den Sicherheitsrat gepaukt wurde, zugleich ist im Irak ein Kontingent Waffeninspekteure an der Arbeit. Unter der Leitung des schwedischen Diplomaten Hans Blix haben die Waffeninspekteure außergewöhnliche Vollmachten, nach denen z.B. der Irak "zugeben" soll, über Waffen zu verfügen, die von vorigen Resolutionen nie verboten worden waren. Trotz einer Sturzflut von Desinformation aus Washington und Whitehall haben sie, wie es ein Inspekteur formulierte, "null" gefunden.

Als nächstes kommt ein Angriff; wir haben nicht das Recht, das einen "Krieg" zu nennen. Der "Feind" ist eine Nation, deren Angehörige fast zur Hälfte Kinder sind, eine Nation, die keine Bedrohung für uns darstellt und mit der wir keinen Streit haben. Das Schicksal ungezählter unschuldiger Leben hängt jetzt vom Selbstwert der sogenannten internationalen (nicht-amerikanischen) Gemeinschaft ab sowie von freien Journalisten, die die Wahrheit berichten und nicht bloß die Propaganda der Großmacht nachplappern und weiterverbreiten.

Es wird selten erwähnt, daß die UN-Sicherheitsresolution 687, die das Embargo des Irak bestätigt, ebenfalls besagt, daß die Entwaffnung des Irak einen Schritt "auf das Ziel der Errichtung einer massenvernichtungswaffenfreien Zone im Nahen Osten" bedeuten soll. Mit anderen Worten, wenn der Irak seine Vernichtungswaffen aufgibt, oder aufgegeben hat, sollte auch Israel abrüsten. Nach dem 11. September 2001 bedeutet es eine Gefahr für uns alle, wenn dem Irak unbarmherzige Forderungen gestellt werden und er darauf sogar angegriffen wird, während man sich bei Israel blind stellt.

"Je länger die Sanktionen anhalten", sagt Denis Halliday, "[desto] wahrscheinlicher wird es, das wir das Entstehen einer Generation erleben werden, die Saddam Hussein als zu moderat und zu sehr dem Westen ergeben betrachten wird."

An meinem letzten Abend im Irak besuchte ich eine Probe des Nationalen Irakischen Orchesters in der Rabat-Halle im Zentrum von Baghdad. Ich wollte Mohammed Amin Ezzat treffen, den Dirigienten, dessen persönliche Tragödie beispielhaft ist für die Bestrafung seines Volkes. Weil die Stromversorgung zu unzuverlässig ist, sind viele Iraker gezwungen, billiges Kerosin für Lampen, zum Heizen und zum Kochen zu nehmen und häufig explodieren diese Kerosingeräte. Das passierte auch Mohammed Amin Ezzats Frau Jenan, die von Flammen eingeschlossen war.

"Ich sah, wie meine Frau vor meinen Augen völlig verbrannte", berichtet er. "Ich warf mich auf sie, um die Flammen zu ersticken, aber das half nicht. Sie starb. Ich wünsche mir manchmal, ich wäre mit ihr gestorben." Er stand am Dirigentenpult, sein schwer verbrannter linker Arm bewegte sich nicht, seine Finger waren zusammengeschmolzen.

Das Orchester probte Tschaikowskis Nußknackersuite und es gab einen merkwürdigen Ungleichklang. An den Geigen fehlten Saiten, auch an den Klarinetten fehlten Teile. "Wir können sie nicht aus dem Ausland bekommen", sagte er. "Jemand hat beschlossen, daß sie nicht erlaubt sind." Die Notenblätter sind zerfetzt, wie antikes Pergament. Die Musiker können kein Papier bekommen.

Nur zwei Mitglieder des ursprünglichen Orchesters sind noch übrig; die anderen haben sich auf den langen, gefahrvollen Weg nach Jordanien und weiter begeben. "Man kann sie nicht verurteilen", sagte Ezzat. "Das Leid in unserem Land ist zu groß. Aber warum wird nicht dafür gesorgt, daß es aufhört?"

Diese Frage legte ich eines abends Denis Halliday in New York vor. Wir standen nur zu zweit in der großen modernistischen Halle der Generalversammlung der UN. "Hier ist die wirkliche Welt vertreten", sagte er. "Ein Staat, eine Stimme. Im Gegensatz dazu hat der Sicherheitsrat 5 permanente Mitglieder mit Vetorechten. Da gibt es keine Demokratie. Wäre das Thema der Sanktionen gegen den Irak der Generalversammlung vorgelegt worden, wären sie von einer sehr großen Mehrheit gekippt worden. Wir müssen die Vereinten Nationen verändern... Der Genozid im Irak ist ein Test für unsere Entschlossenheit. Wir alle müssen das Schweigen brechen: um den Verantwortlichen in Washington und London zu zeigen, daß die Geschichte sie richten wird."
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Alt 19.03.2003, 02:49   #2
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Standard RE: The New Rulers of the World

Als das TeleBimmel gefont ist, bin ich die Rannte runtergetreppe und gegen die BUMS getuert.

SAG MAL: BIST DU NOCH GAQNZ DICHT? Deine billige Werbung fuer irgendeien Autore UNTER AUTOREN anzubieten war wohl ein WITZ, oder?

Ich fuehle mich beinahe genoetigt dieses Forum mit REALEN eRINNERUNGEN ZU LANGWEILEN. Das Ganze erinnert mich an eine "Geisteswissenschaftler-Umschulung des Arbeitsamtes", die ein guter Freund: "Frank Sommer in Hamburg" mal genossen hat.

Suchen Sie sich irgendwas und ueben Sie sich in der Stillebenbeschreibung.

GLAUBST DU, DAS UNSERE KOLLEGINNEN NICHT MAKL MEHR FERNSEHEN HABEN, oder was?

Joey
aber JA nicht antworten. Ich habe dir nichts zu sagen.
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Alt 19.03.2003, 09:25   #3
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Standard RE: The New Rulers of the World

bist du eingentlich maddes? du hast doch nen forz quer hängen!!! was soll dieser beitrag?? du bis doch wohl scheiße!!! wer keine ahnung hat .... einfach mal die F R E S S E halten
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Alt 19.03.2003, 11:12   #4
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Standard RE: The New Rulers of the World

Also sonst ist noch alles klar, oder?

Marco Ewe
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