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Irak-Krise: Alles Lüge?
Wieso beschweren wir uns eigentlich? Daß die Lüge in Zeiten des Krieges nicht Sünde sondern edle Kunst ist, lernen wir doch schon am humanistischen Gymnasium. Wenn etwa Odysseus dem Zyklopen Polyphemos weismacht, er heiße "Niemand" und der leichtgläubige Riese dann in der Not wenig Erfolg hat mit dem Hilferuf "Niemand hat mich geblendet" - so ist das nicht Folge einer üblen Lüge sondern einer geniale List, hören wir und lernen: Odysseus der Listenreiche - nicht Odysseus der Lügner.
Die Lüge gehört zum Krieg wie früher das Schwert und heute die intelligente Bombe. Der Schein bestimmt das Bewußtsein. Die Militärs wissen das nicht erst seit dem Vietnam-Krieg.So gehören zum "Network Centric Warefare", wie die Amerikaner ihre moderne Kriegführung nennen, natürlich auch offensive "Medienoperationen" - also die Versuche, Medien massiv zu beeinflussen. Und daß der irakische Diktator ein noch wesentlich flexibleres Verhältnis zur Wahrheit hat, ist ganz sicher nicht gelogen.
Wenn also der Krieg der Vater aller Lügen ist? Dann sind all jene um so mehr gefordert, deren Job die Wahrheit ist - oder zumindest die größtmögliche Annäherung daran.
Nur: Wie an die Wahrheit kommen, wenn überall nur Lug und Trug im Angebot zu finden sind? Zum Beispiel durch das Internet.
Nein, ernsthaft: Ein Weg, sich der Wahrheit über diesen Krieg anzunähern, ist der, sich möglichst vielen "Wahrheiten" anzunähern, ihre Quellen auf Glaubwürdigkeit und Interessenlage abzuklopfen und dann daraus die individuelle Quersumme zu ziehen. Nirgendwo sonst ist das so umfangreich, so schnell, so vielfältig möglich, wie im Web. Dort publizieren - nur den berühmten Mausklick voneinander entfernt - die regierungsamtlichen Propagandabüros der Kombattanten und die Friedensbewegten. Dort finden sich die lokalen Hilfsorganisationen und die Rüstungsdatenbanken. Saddams digitale Hilfstruppen und die Hackertrupps des Pentagon. Opfer und Täter. Journalisten und Analysten. Wer die richtigen zu ihnen kennt, der kommt schneller an relevante Informationen, findet mehr und fundierteres Hintergrundwissen um seine Einschätzungen zu treffen, findet schneller die richtigen Fragen - und vielleicht auch ein paar Antworten. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Nur einen Mausklick weit weg.
Jürgen Wolff jourweb.com
CNN im Krieg mit unbequemen Wahrheiten
Werner Schmitz ist Redakteur bei einer Nachrichtenagentur |
Durch Verdrehungen, falsche Akzentsetzungen und Weglassen von Informationen schafft sich CNN seine eigene Version des Irak-Kriegs.
Im Krieg wie im Journalismus werden Fehler gemacht. Das ist bedauerlich, aber kaum... mehr...
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