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Die Preisträger des Henri Nannen Preises 2008

[2008-05-09]

   Hamburg (ots) - Henri Nannen Preis 2008 geht an: Sabine Rückert 
(Reportage), Lars Abromeit, Katja Trippel, Torsten Hampel
(Dokumentation), Detlef Hacke, Matthias Geyer, Lothar Gorris, Udo
Ludwig (Investigation), Harald Martenstein (Humor) und Lu Guang
(Fotoreportage)

Weitere Preisträger der vom Verlagshaus Gruner + Jahr und stern
vergebenen Auszeichnungen sind Marcel Reich-Ranicki für sein
Lebenswerk und Zainab Ahmed für ihren besonderen Einsatz für die
Pressefreiheit

Heute Abend haben der Verlag Gruner + Jahr und der stern zum
vierten Mal den Henri Nannen Preis vergeben, mit dem die
Bestleistungen im deutschsprachigen Printjournalismus ausgezeichnet
werden. Die insgesamt 12 Preisträger wurden im Rahmen einer
festlichen Veranstaltung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg vor rund
1.200 prominenten Gästen aus Medien, Kultur, Politik und Wirtschaft
geehrt.

G+J-Vorstandsvorsitzender Bernd Kundrun betonte, dass der Henri
Nannen Preis 2008 - in diesem Jahr mit 830 Arbeiten von Journalisten
aus 181 Zeitungen und Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und
der Schweiz - wiederum in beeindruckender Weise die Qualität des
deutschsprachigen Printjournalismus dokumentiert: "Der Henri Nannen
Preis geht 2008 in sein viertes Jahr. Auch diesmal zeichnen der stern
und das Medienhaus Gruner + Jahr herausragende Journalisten aus, die
mit ihrer Arbeit dem großen Namensgeber dieses Preises alle Ehre
gemacht haben. Diese große Zahl an Einsendungen ist ein Indiz dafür,
dass auch in einer Zeit des dramatischen Wandels der Medienlandschaft
hohe journalistische Qualität nicht verkümmert, ja vielleicht sogar
als Reaktion von den Besten mehr gepflegt wird denn je."

Mit dem Henri Nannen Preis stellen Gruner + Jahr und der stern die
Bedeutung von anspruchsvollem Printjournalismus heraus, leisten einen
Beitrag zu seiner Pflege und erinnern zugleich an das Werk des
stern-Gründers Henri Nannen (1913-1996). Der Preis ist mit insgesamt
30.000 Euro dotiert. Außerdem erhalten die Preisträger den "Henri",
eine von dem Berliner Bildhauer Rainer Fetting geschaffene
Bronzeskulptur Henri Nannens im Andenken an dessen Lebenswerk.

Der Henri Nannen Preis 2008 wird verliehen an Sabine Rückert
(Reportage), Lars Abromeit, Katja Trippel und Torsten Hampel
(Dokumentation), Detlef Hacke, Matthias Geyer, Lothar Gorris und Udo
Ludwig (Investigation), Harald Martenstein (Humor) und den Fotografen
Lu Guang (Fotoreportage). Ebenfalls ausgezeichnet werden vom
Verlagshaus Gruner + Jahr und stern Marcel Reich-Ranicki für sein
Lebenswerk und Zainab Ahmed für ihren Einsatz für die Pressefreiheit.

In ihrer Sitzung am 8. Mai 2008 hat sich die Hauptjury dazu
entschlossen, den Preis für die "Beste Reportage" (Egon Erwin
Kisch-Preis) an Sabine Rückert zu vergeben. Ausgezeichnet wird eine
Reportage aus "Zeit Magazin Leben" über den Doppelmord eines
17-jährigen Gymnasiasten, der im Januar 2007 gemeinsam mit einem
Freund in dem mecklenburgischen Dorf Tessin ein Ehepaar aus der
Nachbarschaft niederstach. "Wie das Böse nach Tessin kam" ist nach
Ansicht der Jury eine Reportage "von brennender Aktualität, die
Autorin beschreibt den Boden, aus dem eine gespenstisch anmutende Tat
wächst; sie führt den Leser auf beklemmende Weise in die Gedankenwelt
und Motivationslage eines Jugendlichen ein, der trotz fürsorglicher
und bemühter Eltern aus der Realität gleitet und in einer Welt von
Computer-Spielen, der Verachtung des Schwachen und Identifizierung
mit dem Starken zum Killer wird".

Für den Beitrag "Kampf bis zum letzten Fisch" in "GEO" werden Lars
Abromeit, Katja Trippel und Torsten Hampel von der Jury mit dem Henri
Nannen Preis für eine "Besonders verständliche Berichterstattung"
ausgezeichnet. Ihre an mehreren Schauplätzen in drei Erdteilen
dokumentierte Ausplünderung der Meere offenbart "ebenso umfassend wie
anschaulich eine der größten ökologi-schen Katastrophen unserer Zeit,
die aber - buchstäblich - unter der Oberfläche bleibt und deswegen
kaum wahrgenommen wird: die Vernichtung der Fischbestände in den
Ozeanen, der letzten großen Wildnis unserer Erde."

Den Henri Nannen Preis für die "Beste investigative Leistung" des
Jahres 2008 vergibt die Jury an ein Team von "Spiegel"-Journalisten.
Udo Ludwig, Matthias Geyer, Lothar Gorris und Detlef Hacke haben in
jahrelangen Recherchen nachgewiesen, dass auch im Radrenn-Team der
deutschen Telekom verbotene Doping-Mittel verwendet wurden. Die
Telekom zog sich daraufhin aus dem Radsport zurück. Die Jury würdigte
die Leistung der Journalisten, die immer wieder unter Druck gesetzt
wurden, durch drohende Anzeigen-Stornierung auch unter massiven
wirtschaftlichen Druck gerieten, ihre Recherchen aber dennoch
fortsetzten und schließlich "eine der populärsten Sportarten als
großes Kartell von Manipulateuren und Vertuschern entlarvten".

In der Kategorie "Herausragende humorvolle Berichterstattung" wird
Harald Martenstein mit dem Henri Nannen Preis 2008 für seine
wöchentliche Kolumne im "Zeit Magazin Leben" ausgezeichnet. Damit
ehrt die Jury einen "völlig freien und vollkommen unkontrollierbaren
Kopf, in dem die Synapsen anders verschaltet zu sein scheinen als bei
normalen Menschen, so dass es immer wieder zu den überraschendsten
Geistesblitzen, Assoziationen, Schlussfolgerungen und Pointen kommt
und zu Texten voller Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung".

Der Fotograf Lu Guang ist der Henri Nannen Preisträger 2008 in der
Kategorie "Beste fotografische Leistung". Damit wird seine in "GEO"
erschienene Reportage "Der schwarze Riese" prämiert. Die Foto-Jury
war beeindruckt von der Leistung des Fotografen, der die Auswirkungen
des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs in China am Beispiel der
boomenden Kohleregion Wuhai in ebenso berührenden wie bedrohlichen
Bildern dokumentiert.

Der deutsche Schriftsteller und Literaturkritiker Marcel
Reich-Ranicki wird für sein journalistisches Lebenswerk mit dem Henri
Nannen Preis ausgezeichnet. Die Laudatio auf Marcel Reich-Ranicki
hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Reich-Ranicki gilt als der
einflussreichste deutschsprachige Literaturkritiker der Gegenwart.
Seine Kritik - folgend dem Credo "Die Klarheit ist die Höflichkeit
des Kritikers, die Deutlichkeit seine Pflicht und Aufgabe" - machte
ihn populär und sorgte immer wieder für Wirbel in der Literaturszene.
"Durch seine entschiedenen Kritiken, seine leidenschaftlich geführten
Debatten und seinen passionierten Einsatz für die Literatur und ihre
humanitäre Kraft hat Marcel Reich-Ranicki Maßstäbe gesetzt - auch für
den Qualitätsjournalismus in Deutschland", so Thomas Osterkorn,
stern-Chefredakteur und Mitglied der Hauptjury.

Zainab Ahmed erhält den Henri Nannen Preis 2008 für ihre
Verdienste um die Pressefreiheit. Stellvertretend für alle irakischen
Journalisten des Institute for War and Peace Reporting (IWPR) nahm
sie den Preis entgegen. Die Laudatio auf Zainab Ahmed hielt Clare
Short. Die ehemalige Entwicklungsministerin von Großbritannien war im
Mai 2003 aus Protest gegen die von Premierminister Tony Blair
verfolgte Irakpolitik aus dessen Kabinett ausgetreten.
Thomas Osterkorn: "Ungeachtet der Bedrohung ihres Lebens verteidigt
Zainab Ahmed die Unabhängigkeit der journalistischen
Berichterstattung. Ihr Einsatz für die Presse- und Meinungsfreiheit
hat unseren Respekt und unsere Bewunderung. Mit der Vergabe des Henri
Nannen Preises wird das mutige Engagement von Zainab Ahmed sowie
ihrer irakischen Kollegen gewürdigt."

Für den Henri Nannen Preis 2008 wurden insgesamt 830 Arbeiten
eingereicht. Die Artikel kommen aus 181 deutschsprachigen Zeitungen
und Zeitschriften und wurden dort im vergangenen Jahr publiziert.
Allein 328 Arbeiten wurden für die Kategorie "Reportage" eingereicht,
gefolgt von 217 Einsendungen für die Kategorie "Dokumentation", 154
Arbeiten für die Kategorie "Humor", 51 Beiträge für die Kategorie
"Investigation" und 80 Fotoreportagen.

Ein aufwendiges Sichtungsverfahren sowie eine hochkarätige Jury,
der erfahrene Journalisten, Autoren, Chefredakteure und Herausgeber
großer Verlage Deutschlands angehören, gewährleisten die
Unabhängigkeit der Auszeichnung.

Zur Jury des Henri Nannen Preises gehören: Alice Schwarzer,
Chefredakteurin und Herausgeberin von "EMMA", Peter-Matthias Gaede,
Chefredakteur von "GEO", Christoph Keese, Chefredakteur "Welt am
Sonntag", Hans Werner Kilz, Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung",
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", Helmut Markwort,
Chefredakteur von "Focus", Thomas Osterkorn, stern-Chefredakteur, 
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