Blaupunkt Autosuper AS 5
Europas erstes Autoradio: Das Wunder in Schwarz
► Die weite Welt kommt über Mittel-und Langwelle ins Auto ► Senderwahl und Lautstärkeregelung schon vom Lenkrad aus ► Ein elitäres Produkt: Rund 400 Geräte in dieser First Edition
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Plakative Werbung für Autoradios Ende der Fünfziger: Vor 75 Jahren präsentierte Blaupunkt mit dem Autosuper AS 5 das erste Autoradio in Europa. Und gegen Ende der fünfziger Jahre gab es vermehrt plakative Werbebotschaften und bunte Reklamebilder von Blaupunkt, die zum Kauf der Rundfunk-Empfänger verführen sollten. |
Voluminöser schwarzer Kasten Der Motor dröhnt, die Karosse rattert über Stock und Stein, der Fahrtwind pfeift im Ohr – die "Begleitmusik" des frühen Automobilisten folgt einer schlichten Melodielinie aus Naturlauten und Technik-Getöse. Auch sonst ist die Welt auf vier Rädern noch heil: Der stockende Verkehr wird erst noch erfunden, das Wetter nimmt man, wie es eben kommt; brandaktuelle Nachrichten gab’s gerade erst im Wochenblatt, schmissige Musik beim Platzkonzert. Friedvolle Zeiten am Volant, allein mit sich und der Chaussee ...
Bereits Sahara-erprobt Die Funkausstellung 1932 beendet die einsame Idylle. Neun Jahre zuvor war die erste offizielle Rundfunksendung im deutschen Äther, jetzt holt ein voluminöser schwarzer Kasten namens Autosuper AS 5 die weite Welt auf Mittel-und Langwelle ins enge Fahrerhaus. Der "Autosuper" der Bosch-Tochtergesellschaft Blaupunkt, bereits Sahara-erprobt, markiert die Spitze des technischen Fort schritts – ein Wunder in Schwarz.
Das Pionierprodukt fasziniert das Publikum, und jedermann ist schlagartig klar: Man hat es immer schon unbedingt gebraucht, das moderne Ding, das jetzt auch im Auto aus der Ferne unterhält. Es kann Musik, es kann aktuelle Meldungen, es kann den Wetterbericht wiedergeben – von kleinen Störungen mal abgesehen. Nur Verkehrsdurchsagen fehlen im Repertoire, doch das ist verzeihlich, mangels mitteilbarer Masse.
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Weltpremiere 1932 in Berlin August 1932, die Funkausstellung in Berlin hat ihre Sensation: Das erste Autoradio Europas. Vorgestellt wird der Empfänger Autosuper AS 5 von Blaupunkt. 15 Kilo Gewicht und mehr als zehn Liter Volumen zeugen von den Pionier-Anstrengungen der Entwickler. Die Steuerung erfolgte über eine am Lenkrad montierte Fernbedienung. | Kaufpreis von 465 Reichsmark Die schwarze Box ist nicht wirklich etwas für das Auge und auch ihr technischer Sex-Appeal blüht im Verborgenen. In Image-Fragen macht sie dafür umso mehr her. Die ersten rollenden Blaupunkts sind keine demokratischen Kommunikationsmittel und sie sollen auch gar keine sein: Ein Kaufpreis von 465 Reichsmark – drei der formidablen Apparate waren der Gegenwert eines kompletten Kleinwagens – macht ihren Besitz zum unerhörten Luxus. Der Autosuper ist ein ausgesprochen elitäres Produkt für den betuchten Herrenfahrer.
Den echten "Volks"-Empfänger – auch darauf war oftmals ein blauer Punkt zu sehen – genießt das Fußvolk der Nation vorläufig noch auf Küchenstuhl oder Chaiselongue. Den Lifestyle der Happy Few zelebrieren damals auch die Anzeigen und Prospekte, die nur Augen für die exklusive Welt der Reichen und Schönen besitzen. Gezeigt wird mondäne Atmosphäre und das Lebensgefühl eines exquisiten Publikums: Üppige Tourenwagen erobern unerreichbare Hochgebirgslandschaften, elegante Chauffeur-Limousinen gleiten über die Boulevards der Großstadt. Der Autosuper als eigentlicher Protagonist bleibt im Text verborgen, ganz zu schweigen von den Details seiner zukunftsweisenden Technologie:
Fünf Radioröhren in einer Gummibandfederung Die zehn Liter Rauminhalt sind vollgestopft mit ingeniösen Lösungen für die speziellen Probleme des Empfangs auf Rädern. An prominenter Stelle unter den über tausend Bauteilen stehen fünf Radioröhren; zum Schutz der empfindlichen Glaskolben wurde das Chassis in einer Gummibandfederung aufgehängt. Viel Platz benötigt auch ein kleines Kraftwerk zur Erzeugung der Anodenspannung: Dieser "Umformer" ist ein von der Starterbatterie gespeister Gleichstrommotor für den Antrieb eines Dynamos. Eine indirekt geheizte Regelröhre für die Vorstufe erlaubt die Anwendung einer Schwundregelung, so dass schon damals der Empfang leidlich konstant bleibt. Fernbedienung an der Lenksäule An einen Einbau des Jumbos in Griffweite des Fahrers ist noch nicht zu denken – das kommt erst 1949. Ingenieurkunst erlaubt dennoch die Senderwahl und Lautstärkeregelung vom Steuer aus: Eine Fernbedienung an der Lenksäule macht es über Bowdenzüge möglich – heute würde man Satellitenbedienung zu diesem zukunftsweisenden Feature sagen. Auch "Phono" steht schon bereit: Wer sein Schallplatten-Koffergerät mitführt, legt einen Hebel um und hat seine Platten-Hits im Radiolautsprecher. Rund 400 Exemplare des Autosuper 5 wurden in den dreißiger Jahren gebaut. Mit ihnen begann eine Geschichte, die bis ins digitale Zeitalter des heutigen Car Multimedia führt. |